Whangarei – 11.03.2009

79,5 km richtig geile Tour und 24 km, die mal wieder aufs neue bewiesen haben, dass die Benutzung des SH 1 und das Fahren in größeren Städten einfach Murks ist.
Frühstück mal wieder draußen auf der Terrasse, im Laufe des Tages sollte es jedoch noch etwas wolkiger werden, ein kräftiger Südwestwind aufkommen und 2-3 Regentropfen vom Himmel fallen. Aber zum Radfahren angenehmes Wetter, von der Windrichtung mal abgesehen.
Anstatt dass es an der Bay of Islands gerade und flach am Strand entlang geht, warten die ersten 6 km mit 150 hm auf. Nach der Fähre (1 Dollar, als 40 Eurocent, das erinnert mich irgendwie an die Preise der Königsteiner Elbfähre bei der Klassenfahrt in die DDR 1984) geht es über total ruhige Straßen hoch und runter. Nach 16 km bereits über 500 hm. Nach 20 km kommt der Abzweiger nach rechts zu einer Schotterstraße. GoogleMaps weist diese übrigens als die Hauptstraße gegenüber der geradeaus weiterführenden asphaltierten Straße aus. Leider steht dort „Road closed“ und der gute Mann, der in seinem Wagen die Straße bewacht, lässt mich wirklich nicht durch. Zuviele Trucks, die dort heute unterwegs seien. Also muss ich außen rum, der Umweg sind ca. 10 km. Alles ist dort auch nicht geteert, immer wieder ist die Straße aufgerissen. Weiterhin sehr viel hoch und runter, nach 40 km sehe ich die Schotterstraße wieder einmünden. Bei 47 km gucke ich wieder auf den Höhenmesser, die 1000 sind bereits überschritten und nach 61 km geht es einen 5 km langen Anstieg hoch, von dem knapp 2 km aus einer geschotterten Baustelle bestehen. Oben nach 66 km sind es dann mehr als 1500 hm, ich sehe den Rekord von letzter Woche (1895 hm) bereits fallen, da noch knapp 40 km ausstehen. Dann wird es aber doch gemäßigter, zum Ausgleich kriege ich etwas mehr Südwestwind ins Gesicht. Nach 79,5 km ist aber die herrliche Einsamkeit vorbei, ich komme zurück auf den SH 1. Da heißt es nur Augen auf und durch. Ein Verkehrsaufkommen, bei dem man die Straße in Deutschland zum Radtraining meiden würde. Und auch könnte, nur hier ist es halt die einzige Straße, die hierher führt. Die letzten 7 km darf ich dann runter rollen. Diese etwa 25 km längere Strecke als direkt über den SH 1 war es aber auf jeden Fall wert, dass ich sie gefahren bin. Am Ende standen knapp 104 km mit 1865 hm auf der Uhr, nur 30 hm weniger als der Höchstwert dieses Urlaubs. Insbesondere die ersten 40 km an den Buchten der Bay of Island entlang waren sehr schön. Die vielen kleinen aber steilen Anstiege haben aber nochmal richtig dicke Beine gemacht und auf den meisten Abfahrten konnte ich auch nicht rollen lassen, da sie sehr kurvig waren. Insbesondere in Linkskurven bergab kann man davon ausgehen, dass die linke Hälfte der Spur unbefahrbar ist mit tiefen Löchern, Absackungen und Ausfahrungen.
Nelson hatte als Stadt etwa gleicher Größe deutlich mehr Charme. Vorhin bin ich noch ein wenig durchgeschlendert, es war aber bereits nach 6 Uhr, da hat alles geschlossen.
Die Jugendherberge wird von einem deutschen Paar geleitet und ist angenehm gemütlich und klein. Eine letzte Waschmaschine ist auch schon durch. Jetzt sitze ich hier in der Küche und denke beim Geruch der Essenszubereitung eines Mitbewohners, dass in ihm mit Sicherheit ein kleiner Feuerwehrmann schlummert. Oder warm lässt man das sonst so anbrennen???
Für morgen habe ich mir ein paar Dinge aus dem Lonely Planet rausgesucht, die man hier und in der Nähe machen kann. Die Wettervorhersage sagt durchschnittliches Wetter voraus, wie schon die ganzen letzten Tage, die auch alle schön waren.
An Fotos ist von heute nur eins mit dem Blick aus der Jugendherberge auf die Stadt hinunter dazugekommen. War zwar unterwegs alles nett anzuschauen, aber nichts wirklich neues bewegendes dabei.

Paihia – 10.03.2009

Kurze Etappe heute. Rüber in DIE nächste Bucht, die Bay of Islands!
Vorher wollte ich mir noch die Rainbow Falls angucken. Also den kürzesten Weg runter ans Ende des Flusses genommen, laut Karte ist da eine Brücke, um auf die Seite des Wanderwegs zu gelangen. Das geht auch einige Höhenmeter runter bis dorthin. Nicht gemeldete Rückbaumaßnahmen oder warum auch immer – da ist keine Brücke, nur eine Linie von überspülten Steinen. Da ich keine Lust habe, die Straße wieder hochzufahren, um weiter oben einzusteigen, ist der erste Versuch, die Schuhe auszuziehen und das Rad mit Gepäck durchzuschieben. Die Steine erscheinen mir dann aber doch etwas glatt. Also wird das Gepäck abgemacht und ans Ufer zurückgeworfen. Eine Tasche überkommt jedoch die Sehnsucht und sie geht baden. Ist zum Glück aber kaum Wasser durch den Deckel reingelaufen. Leider ist es auch mit nur dem Fahrrad zu glatt und zwischenzeitlich auch etwas tiefer, so dass ich das Unternehmen abbreche und mich meinem Schicksal füge, die Straße wieder hochzufahren.
An anderer Stelle komme ich dann auf den Wanderweg, den ich 20 Minuten hochschiebe (Radfahren verboten und meistens auch nicht besonders dafür geeignet). Der Wasserfall ist dafür recht beeindruckend für so ein kleines Flüsschen. Hinter den Wasserfall ist noch eine Höhle.
Nach dieser Besichtigung starte ich meinen Tacho und mache mich auf den 33 km langen Weg nach Paihia (inkl. dem Schlenker nach Waitangi). Der SH ist zunächst gut befahren, nach 16 km kommt der Abzweiger zur Bay of Islands. Kurz nachdem ich das nette Schild fotografiert habe, dass für ansehnliche 1,5 m Abstand der Autofahrer zu Radfahrern wirbt, treffe ich den ersten echten Pisser (Kennzeichen OF hätte mich nicht gewundert), der mir durchs offene Fenster zublökt, ich hätte gefälligst auf der weißen Linie zu fahren. Ich schicke ihm ein nettes Bla-Bla-Handzeichen hinterher, dass mich sein Geschwätz nicht wirklich interessiert, woraufhin er links ranfährt und mir irgendwas anderes zuruft, während ich ihn ignorierend vorbeifahre. Da war anscheinend die eine Gehirnzelle mit Autofahren, die andere mit Blödsinn erzählen beschäftigt, so dass keine mehr zum Nachdenken übrig blieb.
Das Treaty House in Waitangi habe ich mir dann doch erspart. 20 Dollar für den Parkspaziergang fand ich etwas übertrieben, so sehr haben mich die Einzelheiten auch nicht interessiert.
Stattdessen bin ich nachmittags mit der Fähre nach Russell rübergefahren und dort auf den Flagstaff Hill hochgelaufen. Zum einen haben die Engländer dort immer ihren Flaggenmast aufgestellt und die Maori ihn immer wieder kaputt gemacht, zum anderen hat man von dort eine Klasse Sicht über einen großen Teil der Bay of Islands. Wie man an den Bildern sehen kann, ist es hier richtig nett, völlig anders als an der eher bäuerlich geprägten Westseite der Northlands.
Das Wetter ist heute wieder angenehm sommerlich ohne zu heiß zu sein. Von den möglichen Schauern mal wieder keine Spur zu sehen. So kann es noch 5 Tage bleiben.
Und ich habe hier im Supermarkt deutsches Schwarbrot entdeckt und natürlich auch gleich gekauft. Eingeschweißte 500-g-Packung von Mestemacher aus Gütersloh, hergestellt in Deutschland, importiert von einer Firma aus Kerikeri, wo ich gestern war und die Beschriftung in einem wilden Mix aus deutsch und englisch, aber bis November haltbar.
Die hiesige Jugendherberge ist eher klein, aber gemütlich. Meine letzten Übernachtungen für je 2 Nächte in Whangarei und Auckland habe ich jetzt auch schon von hier aus gebucht. Mal sehen, ob mein Brustgurt als Undeliverable zurückgekommen und noch nach Auckland geschickt wurde. Wenn nicht, dann eben nicht.

Kerikeri – 09.03.2009

Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Von „uneinschmierbar“ stand da nichts, ansonsten wäre diese Sonnenmilch von Hawaiin Tropic, die ich am Samstag im Pak’n Save gekauft habe, ein klarer Verstoß gegen die Menschenrechte. Heute nachmittag war die alte Flasche leer und dann schmiere ich mir diese übelst riechende schmierige Masse auf den Unterarm, die sich weder vernünftig verreiben noch so einfach wieder abwaschen ließ. Bin dann uneingecremt zur nächsten Apotheke und habe noch eine Flasche von der Sorte wie beim ersten mal gekauft. Das war der eklige Teil des Tages.
Der Rest des Tages war ok. Angenehmes Wetter, nicht zu heiß den Wind auf den ersten 60 km meist von schräg hinten, erst auf den letzen 40 km auch häufig von schräg vorne, dazu einmal ein paar Tropfen Regen. An der Landschaft hat sich nichts großartig verändert. Weiterhin hügeliges Weideland.
In dem Backpacker hier ist nicht besonders viel los. Noch ein Kiwi und ein Waliser bei mir im Zimmer. Abends kam noch ein Einheimischer mit dazu, der wegen Stress mit der Freundin die Nacht lieber hier verbringen wollte. So gab’s dann ein paar Bierchen, nette Unterhaltung und das Blogschreiben wird auf den nächsten Morgen verschoben.
Das Backpacker ist dafür relativ straff organisiert. „Militärisch“ wäre noch etwas zu hoch gegriffen. Aber hier muss ich erstmalig meinen Ausweis zeigen. Da es ein Obstanbaugebiet ist, gibt es wohl auch öfter Probleme mit illegal eingewanderten Arbeitskräften und dem soll so vorgebeugt werden. Außerdem werden mir mein Bettzeug und ein Plastikkörbchen mit Besteck und Geschirr übergeben. Da haben wohl früher zuviele Leute ihr Geschirr dreckig stehen gelassen. Bei Abreise ist das Körbchen in sauberem Zustand wieder zurückzugeben.
Da die kommende Etappe extrem kurz ist (27 km), werde ich mir hier noch ein paar Wasserfälle angucken und mich dann auf den Weg nach Paihia machen.

Kaitaia (Cape Reinga)- 08.03.2009

Gut gestärkt geht es ans Bloggen. Das erste Beck’s des Abends habe ich auf Thomas getrunken, der mir zum schwimmerischen Wiedereinstieg bei den Orscheler Monday-Night-Schlägereien noch zwei Wochen Welpenschutz gegeben hat und lieber selber ins Trainingslager fährt. Dazu habe ich die Extraportion Reis von gestern mit einem Glas Thai Green Curry aus dem Supermarkt und geschnetzeltem NZ Chicken Schnitzel ergänzt und das schmeckte viel besser als das komische Chinesenzeug von gestern. Dabei musste ich mir Öl noch schnorren und Gewürze zum Fleisch anbraten sind bei mir natürlich auch nicht vorhanden gewesen.
Das waren aber nicht die beeindruckenden Dinge des heutigen Tages. Der begann während des Frühstücks mit einem kurzen aber kräftigen Schauer, in der Nacht hatte es auch schon mal geregnet.
Um 9 Uhr startete die Bustour zum Cape Reinga und zum Ninety Mile Beach. Erster Stop war das Ancient Kauri Centre, in dem in einen Kauristamm eine innenliegende Wendeltreppe reingeschnitzt war. Ansonsten konnte man dort jede Menge Krempel kaufen, der irgendwie mit Kauriholz oder zumindest mit NZ zu tun hat. Unter anderem auch das, was auf Bild 224 in einer Papptüte steckt und mit Sicherheit jemanden von euch dort zu Hause erfreuen wird. Ich sage aber nicht wen und auch nicht, was es ist. Soll ja spannend bleiben. Nur soviel: Diesmal ist es im Gegensatz zu Wellington keine Flasche Bier.
Als nächstes sind wir in den Gumdigger-Park gefahren. Gum ist Bernstein, der aus den Absonderungen der Wurzeln des Kauribaums entsteht und hier zigtausend Jahre alt ist. Dafür haben die hier Löcher gegraben, wie auf einigen Fotos zu sehen ist. Dort sind auch wieder junge Kauris angepflanzt worden. Die wachsen 4 Wochen im Jahr (November) und machen dann wieder 11 Monate Pause. Am Anfang sind sie unten und oben belaubt, erst wenn sie überall durchgewachsen und in ihrer Umgebung die Größten sind, konzentrieren sie sich darauf, das Licht von oben einzusammeln, werfen die unteren Zweige ab und kommen so zu der typischen Kauri-Form. Hoffe, das so richtig verstanden zu haben.
Weiter geht es zu einem kurzen Abstecher an einen Strand der Ostküste. Hier ist ein Siliziumsand, der zur Glasherstellung verwendet wird. Unglaublich, wie fein der ist! Die Straße zum Cape Reinga geht 20 km vor dem Cape in eine unbefestigte Schotterstraße über, erst die letzten paar km sind wieder asphaltiert. Vor dem Cape nehmen wir aber noch schnell den Schotterweg nach rechts, der uns in eine Bucht führt, wo wir das Mittagessen (Sandwich, aber ganz ok) bekommen. Direkt als wir wieder im Bus saßen, gab es noch einen Schauer, das war es dann aber auch. Beim Cape Reinga stoppen wir für 40 Minuten, genug Zeit, um zu dem berühmten Leuchtturm zu gehen und von überall schöne Fotos zu schießen. Die Sonnenkollektoren an der Nordseite stören das schöne Bild ein wenig, sind aber aus energetischer Sicht dort sicher am besten angebracht. Außerdem treffen vor der Küste die Wellen der Tasman Sea und des Pazifik aus unterschiedlichen Richtungen aufeinander.
Weiter führt uns die Fahrt zuerst die Straße entlang und dann durch einen Fluss (eher Rinnsal) an die Westküste. Zunächst sind noch Dünen von ca. 30 m Höhe, die uns den Blick aufs Meer versperren. Aber ob man die durch Runterfahren auf Plastikschlitten soweit abtragen kann, wage ich zu bezweifeln. Die dort erreichten Geschwindigkeiten können vielleicht noch mit einer einfachen blauen Skipiste mithalten, als Radfahrer oder selbst mit meinen rudimentären Skifähigkeiten ist man andere Geschwindigkeiten gewohnt. Deshalb bin ich auch kein zweites mal dort hochgekrabbelt (Lift gab es nicht). Kurz danach haben wir den Ninety Mile Beach erreicht. Der Sand ist ziemlich fest, der Busfahrer ist fast immer ganz normal wie auf einer Straße gefahren, nur an den Bacheinläufen von der Seite gab es immer eine kleine Stufe, so dass er abbremsen musste. So ein langer Strand, der eigentlich nur von Autos benutzt wird, ist schon irgendwie irre. Nach dem Strandabenteuer fahren alle Busse und Geländewagen zum Waschen und Entsalzen auf den Parkplatz des Ancient Kauri Centre. Kurz danach (nach 7,5 Stunden) war eine richtig klasse Tour auch schon zu Ende.
Der Busfahrer war ein richtig uriger Maori. Zunächst hat er uns einfach mal eine Runde auf Maori zugetextet, bis er irgendwann auf englisch weitermachte. Hatte eine Menge gute Witze und Geschichten zu erzählen und ab und an hat er uns ein Maori-Lied gesungen.
Es war auf jeden Fall die absolut richtige Entscheidung, diese Tour zu machen, anstatt mit dem Rad dort hoch zu fahren. Am Anfang stehen noch die Schilder „most northern …“ (tavern, golf course, …) um die Wette da und danach ist es nur noch hügeliges Weideland. Da wären auch viele, viele Höhenmeter zusammengekommen, der Zipfel da oben ist nämlich alles andere als flach und eben. Die Abstecher zur Seite hätte man mit dem Rad sicher auch nicht gemacht und der Ninety Mile Beach wäre gar nicht möglich gewesen. Dementsprechend: Alles richtig gemacht.
Für morgen freue ich mich auf 100 km Radeln, übermorgen nur 27 km plus Sightseeing, denn die Jugendherberge in Pahia ist auch gebucht.
Ganz viele Grüße von dort, wo abends um 19 Uhr immer noch 25 Grad herrschen :-).

Kaitaia – 07.03.2009

Habe mir gestern mal den Wetterbericht für Deutschland angeguckt und bin sehr froh, noch eine gute Woche hier zu sein. Hier gab es heute morgen einen kleinen Schauer, aber es ist dabei nicht kalt. Die Vorhersage kündigt um die Mittagszeit weitere Schauer an, ich hoffe, dass sie genauso falsch wie gestern liegen werden.
Um kurz nach halb zehn bin ich aufgebrochen, um die Fähre im 25 km entfernten Rawene um 11:30 Uhr sicher zu erreichen. So hatte ich dort auch eine gute halbe Stunde Zeit, bis es rüber ging. Bis dahin waren schon ein paar nette kleine Steigungen eingebaut. Auf der Fähre befinden sich nur ca. 6-8 Autos. Die sind auch alle vor mir runter und so hatte ich eine Stunde Ruhe, bevor die Fähre die nächsten Verfolger ausspucken kann. Von der Seite können auch nur vereinzelt welche kommen und so sollte es ein herrlicher fast autofreier Tag werden. Die Landschaft bleibt nett anzusehen wie auch schon in den letzten Tagen, aber keine spektakulären Veränderungen. Nach der Fähre geht es zunächst 10-12 km flach am Wasser entlang, umgeben von Mangroven. Dann geht es mal knackig hoch, die Straße zum SH 1 wäre rechts abgegangen (nein danke), aber von 45 bis 56 km rollt es fein ganz seicht bergab. Bis auf ein paar Tropfen sollten auch keine Schauer mehr kommen. Nach 54 km in Broadwood mache ich am dortigen Store eine Pause. Langnese heißt hier Streets, aber Magnum bleibt Magnum, dazu das obligatorische Moro und eine Cola. Während ich noch da sitze und esse, schließt der gute Mann seinen Laden auch. Das war gerade noch rechtzeitig. Danach geht es ein wenig rauf und runter, bevor mir 20 km vor dem Ziel noch ein richtig knackiger 2 km langer Anstieg serviert wird. Danach geht es aber erst runter und die letzten 12 km mit Rückenwind nach Kaitaia. Die Unterkunft ist auch ganz schick, heute mal wieder Bilder davon. Die Straße war heute so eine richtige Hinterlandstraße. Während die anderen Straßen ja teilweise schlecht genug waren, ist auf dieser auch zwischendurch mal ein Meter der Fahrbahnbreite einfach nach links abgerutscht und nach rechts wieder verbreitert worden oder die Straße ist auf der einen Seite komplett abgesackt. Da wird dann auf 30 km/h (mit dem Zusatz „temporary“) reduziert, kurz danach steht das typische Baustellen-Ende-Schild „works end“ und ich frage mich, welche „work“ hier gemeint ist. Sah nicht so aus, als wenn das auf absehbare Zeit erneuert werden würde. Aber dafür war es heute auch so wunderschön ruhig!
Im Backpacker gehe ich nach dem Duschen zum Einkaufen, da ich ziemlich leergefuttert bin. Keine Marmelade, kein Brot, keine Müsliriegel, Getränke ja eh nicht und die Flasche Sonnencreme neigt sich auch dem Ende. Pak’n Save ist hier so Aldi-mäßig. Vieles in den Kartons drin und soll wohl der billigste sein, wie mir andere zwangsweise budget-bewusstere Reisende mal erzählt haben. Kehrseite der Medaille: Gekühlte Coke gibt es nicht, die muss also im Gefrierschrank blitzgekühlt werden. Da ich hier zwei Nächte bin, nehme ich einen gekühlten Sechserträger Beck’s mit. In Deutschland würde ich vieles vor Beck’s kaufen, hier aber das Beck’s vor vielem. Das ist immerhin gekühlt, also gibt es um 17 Uhr das erste Bier. Außerdem gibt es dort Honig, Nutella und Marmelade nur in den für mich unpraktischen Großgebinden. Daher suche ich kurz danach noch einen kleineren Supermarkt auf. Aber frisches Baguette gibt es im Pak’n Save, das ist auch sehr erfreulich. Morgen macht der um 8 Uhr auf, das reicht noch zum Frühstücken, bevor um 9 Uhr die Tour zum Cape Reinga startet. Das wird morgen sicher nett, auch mal ohne Fahhrad unterwegs zu sein.
Hier wurde ich auch erstmals auf der Straße angeschnorrt. Nach 2 Dollar wird gefragt.
Am Montag werde ich vielleicht bis Kerikeri fahren. Sind nur 100 km und bis Pahia/Waitangi würden nochmal 26 km dazukommen. Bei den hiesigen Hügeln und meiner momentan ausbleibenden Lust auf die große Anstrengung kann ich darauf verzichten und fahre dann am Dienstag nur die gute Stunde, um einen entspannten Tag in der Bay of Islands zu verbringen. Immerhin wurde in Waitangi dieser berühmte Vertrag zwischen Briten und Maori geschlossen und das direkt daneben liegende Russell war die erste britische Siedlung in NZ. Am Mittwoch soll es dann an der Küste entlang nach Whangarei gehen, wo ich den Donnerstag wiederum als Pausentag verbringe und ab Freitag den Rest der Zeit bis Sonntag abend in Auckland verbringen werde. Das Radfahren kommt somit schon langsam zu einem gemütlichen Ausklang. Vielleicht finde ich am Wochenende ja auch noch ein Schwimmbad für den Wiedereinstieg ins Schwimmtraining, damit Thomas mir am Montag abend im Seedammbad nicht wegschwimmen kann ;-).
Das heutige Abendessen stammt vom Chinese Takeaway und ist eher eine Geschichte der Missverständnisse und Enttäuschungen. Auf meine Frage, ob bei den Gerichten immer Reis mit dabei sei, habe ich ein Nein verstanden und die Gegenfrage nach fried or white rice. Ich habe mich dann für Chicken with cashew and veges mit white rice entschieden. Die Cashew habe ich nicht gefunden, Gemüse wurde in winzigsten Mengen beigemischt und der Rest bestand bereits aus einer Unmenge gebratenem Reis mit annehmbarer Hühnerfleischeinlage. So habe ich das beim deutschen China-Restaurant noch nie gesehen, vielleicht ist das hier echt chinesisch und nicht deutsch-touri-chinesisch. Jetzt habe ich außerdem eine Riesendose gekochten Reis hier rumstehen, vielleicht gibt es den morgen abend mit irgendeiner Dose aus dem Supermarkt (alternativ ist nebenan ein KFC). Vermutlich haben die mich in dem Takeaway auch für bescheuert gehalten. Das Beck’s muss nun den heutigen Abend retten – vier von den niedlichen kleinen 0,33ern sind noch da.
Und wenn das Radfahren zu Ende geht, muss ich auch das ungehemmte Futtern wieder einstellen.

Omapere – 06.03.2009

Fotos, Fotos, Fotos!
Heute lohnt es sich wieder zu gucken. Was zum Teil auch daran liegt, dass erst der eine Akku in der Ixus und dann ziemlich schnell danach auch der Wechselakku meinten, leer zu sein. Daher habe ich die meisten der Fotos von den riesigen Kauris nur mit dem Handy gemacht. Hier im Backpacker ging er dann aber wieder.
Die Wettervorhersage für heute lag gründlich daneben – und das volles Rohr zu meinen Gunsten. Statt der angekündigten Schauer und erst später nachlassenden Winde hatte ich den ganzen Tag über Sonnenschein, nur mäßigen Wind und sommerlich warme Temperaturen, ohne kühlende Brise in den Anstiegen manchmal schon fast zu heiß.
Die ersten 30 km sind flach mit ein paar kleinen Wellen drin. Dann geht es knackig auf 300 m hoch. Ich suche ständig nach den ersten Anzeichen für die mächtigen Kauri-Wälder, aber es sieht die ganze Zeit nur nach wellig-hügeligem Weide- und Ackerland aus. Irgendwann müssen die doch kommen. Nach 47 km bin ich nach einigem auf und ab am zunächst höchsten Punkt angekommen. An der Bude versorge ich mich mit Wasser und Cola und halte etwas Smalltalk mit dem Verkäufer. Von hier aus geht es 7 km abwärts und mittendrin entdecke ich am Straßenrand das Schild „Waipoua Forest“ und der dichte Urwald beginnt. Zunächst geht es noch einige km runter, bis die Schotterstraße zum Visitor Centre (1,5 km) beginnt. Hätte ich mir auch sparen können, soviel interessantes war da nicht zu sehen. Aber 3 km Umweg sind bei der heutigen kurzen Etappe auch egal. Danach geht es 8 km moderat bergauf bis zu den „Kauri Walks“. Für 2 Dollar Parkgebühr wird auch mein Rad bewacht, der Parkplatz war früher Autoknackers Liebling. Von hier aus sieht man die „Four Sisters“, das sind 4 große Kauris, die an der Wurzel zusammengewachsen sind. Ein paar Fußminuten weiter steht mit „Te Matua Ngahere“ der zweitgrößte aller Kauris. Der Durchmesser liegt bei 8 Metern, habe ich irgendwo gelesen. An der Krone sieht der allerdings ziemlich zerfleddert aus, den scheint es in den vergangenen 1-2000 Jahren einige Male gerupft und zerbröselt zu haben. Mit dem Rad einen km weiter gefahren geht es zu „Tane Mahuta“, dem echten Fat Boy unter den Kauris. Der sieht auch oben noch ganz fit aus. Das Foto, auf dem ich zum Größenvergleich mit drauf bin, zeigt dessen Größe recht eindrucksvoll. Danach geht es noch einige km bergauf, bis ich dann von 400 m aus dem dichten Wald zurück ins Weideland fast auf Meereshöhe runter rausche.
Unten noch ein Mars und eine Cola zur Stärkung für die letzten 12 km. Auf denen wartet noch ein richtig fieser steiler Hügel. Nur ca. 100 hm, doch recht steil. Ich bin zu faul, das auf dem mittleren Kettenblatt hochzuquälen und erteile mir großzügig Kleinblatterlaubnis. Vom Hügel aus kann man den Hokianga Harbour sehen und rollt die letzen beiden km runter ans Meer.
Die Unterkunft ist traumhaft gelegen, daher auch davon etliche Fotos. Schöner Garten mit Palmen, einer von Weintrauben überwucherten Pergola, und allerlei Obstbäumen. Orangen, Pfirsichen und allerlei unbekannten Gewächsen. Könnte das von Insekten zerfressene Obst in der Großaufnahme ein Granatapfel sein?
Direkt über die Straße geht es zum Strand und ich gehe endlich mal baden. Klasse war das! Winziger Wermutstropfen: Es gibt hier wieder Sandflies. Eine von ihnen musste es mir beweisen (dein letzter Beweis, Flatfly!) bevor ich mich mit Repellant eingesprüht habe.
Vom Autoverkehr war es heute wieder sehr angenehm. Morgen geht es in Rawene/Kohokohu über die Fähre und danach ist es hoffentlich noch mehr Nebenstrecke bis Kaitaia. Die Unterkunft in Kaitaia ist auch bestätigt worden, genauso wie die Tour am Sonntag über den Ninety Mile Beach und Cape Reinga.
Jetzt merke ich aber auch, dass der Urlaub sich seinem Ende nähert. Es sind nur noch gute 300 km mit dem Rad zu fahren, da ich ja ab Whangarei lieber den Bus nehmen werde.

Dargaville – 05.03.2009

Sollte es mich wundern, dass das Wetter heute mal wieder nicht so klasse aussieht? Die (Kurz-)Vorhersage der mal wieder überlasteten Wetterseite sagt Sturm aus Nordost und schwere Regenfälle für den Nachmittag vorher. Um 8 Uhr ist es noch trocken, aber bereits sehr windig. Meine ebenfalls radelnden Nachbarn sind bereits weg, anscheinend wollen sie vor dem Schlimmsten schon wieder woanders eingekehrt sein. Dafür ist es immerhin kein bisschen kalt.
Um halb zehn bin auch ich soweit. Bei 100 km sollte ich auch schon am frühen Nachmittag durch sein. Es fängt auch direkt an zu nieseln, aber zusammen mit der Wärme kann man ohne Regenjacke fahren. Die ersten 28 km führen über den SH 1 nach Norden und die Böen zwingen mich in Abfahrten zum Bremsen und dazu, vielfach mitten auf der Fahrspur zu fahren, um nicht von der Straße geweht zu werden. Hupende Autofahrer kann ich da nur ignorieren. Eure 30 Sekunden für mein weiteres und schmerzfreies Leben. Der Hälfte der Jungs und vielleicht auch Mädels in ihren Blechkisten hätte man guten Gewissens einfach mal ein paar aufs Maul hauen können, so dicht, wie die überholen. Insbesondere auf diesen mehr befahrenen Straßen ist der Arschlochfaktor kein Stück unter dem von Deutschland. Noch ein Grund mehr, den Bus von Whangarei zurück nach Auckland zu nehmen. Zum Glück geht es nach 28 km auf einen deutlich ruhigeren SH, der in Richtung Westen führt. Mit dem Wind von schräg hinten statt vorne fährt es sich viel ruhiger. Deutlich weniger Autos hat es hier außerdem. Dafür ziehe ich nach wenigen km bereits die Regenjacke an. Es ist jetzt deutlich über Nieselregen hinaus. Aber weder die Regenhose noch die Aktion mit Tüten über den Socken ist heute erforderlich. Die Landschaft hat sich gegenüber gestern nicht wirklich verändert, so ist es erträglich, dass die Kameras heute trocken in den Packtaschen bleiben. Bis gute 60 km geht es immer mal Hügel hoch, Hügel runter, danach geht es durchs platte Land der Kumara Capital (Haupstadt der Süßkartoffel) von NZ. Zuerst mit richtig Rückenwind, die letzten 28 km mit dem Wind von rechts. Zwischendurch noch eine 2,5 km lange Baustelle, danach sehen Fahrer und Rad so richtig schön verdreckt aus.
Nach 101 km erreiche ich mein heutiges Backpacker. Es ist eine frühere Schule, der Aufenthaltsraum und der Schlafsaal sind ehemalige Klassenzimmer. An den Wänden hängen noch die alten Schultafeln, kunstvoll beschrieben. Da werde ich nachher noch Fotos von hochladen.
Die Unterkunft für morgen ist auch bestätigt, immer ein beruhigendes Gefühl. Der erste Veranstalter von Touren zum Cape Reinga und 90-Mile-Beach hat leider abgesagt, da schon ausgebucht. Das wäre in einem 4WD-PKW mit nur 5 Passagieren gewesen. Werde ich mich wohl am Samstag nachmittag direkt vor Ort in Kaitaia drum kümmern, wird dann aber eher was größeres (ein Bus) mit mehr Leuten werden. Hat irgendjemand von euch einen Tipp???
Wäsche habe ich auch gewaschen. Obwohl ich zu Hause aus ökologischen Gründen keinen Trockner besitze, ist es hier sehr angenehm, dass nach gut einer Stunde alles gewaschen und getrocknet ist.
Ansonsten gibt es von heute nichts großartiges zu berichten, außer, dass der Regen jetzt doch deutlich stärker geworden ist. Wie gut, dass ich nicht mehr nach draußen muss.
Ich hoffe für morgen auf besseres Wetter: Halbwegs trocken und deutlich weniger Wind. Dann geht es durch die Kauri-Wälder.
Nachtrag von 20 Uhr Ortszeit: Ich bin von einer Dose Dosen-Spagetti zumindest satt geworden. Der Parmesan dazu konnte es aber auch nicht mehr rausreißen. Dieser Urlaub wird mit Sicherheit nicht in die Liste kulinarisch wertvoller Urlaube aufgenommen werden. Freue mich aus der Sicht wieder auf Deutschland. Außerdem prasselt der Regen seit einer Stunde richtig gut gegen die Fenster und die vorhin im Fernsehen gezeigten Vorhersagen zeigen keine baldige Rückkehr des Sommers. Das war jetzt de fünfte Radfahrtag im kompletten Regen, dazu der Busfahrtag von Haast und der Pausentag in Wanaka. Diesen 7 miesen stehen 12 Tage mit Sommerwetter gegenüber. Dazwischen oder gemischt gab es nichts.

Wellsford – 04.03.2009

1. Ich habe gelogen.
2. Die Tour muss ein wenig umgeplant werden.
3. Der Tag war anstrengend.

Zu 1: Ich hätte nicht gedacht, dass die 1740 Höhenmeter von der Etappe Hanmer Springs – St Arnaud über die Rainbow Road noch überboten werden. Wurden sie heute aber mit 1895 hm auf 122 km. Selbst die ca. 100 hm abgezogen, weil ich mich einmal verfahren habe und 1,7 km lang den Berg hoch- und wieder runtergefahren bin, hätte es gereicht.

Zu 2: Jetzt bin ich hier in Wellsford gelandet. Der Ort ist sowas wie ein Nadelör auf dem Weg nach Norden, wo der SH 16 wieder auf den SH 1 trifft. Busse fahren hier durch, vielleicht halten sie sogar an. Es gibt zwei Tankstellen (eine davon inkl. McDoof), eine angegliederte Fress- und Grundversorgungsmeile, aber keine preiswerte Unterkunft und auch sonst nichts besonderes, was es rechtfertigen würde, auf dem Rückweg nochmals 95 Dollar für das Motel zu bezahlen. Und als Routen blieben mir nur der gleiche Weg zurück oder über den recht befahrenen SH 1, den ich heute ganz bewusst vermieden habe. Also werde ich vermutlich von Whangerei einen Bus nach Auckland nehmen.

Zu 3: Beim Aufstehen war es bereits recht windig aus Osten, aber dazu sonnig. Heute mal Klassik-Frühstück und um halb zehn auf dem Rad gesessen. Im Pedallers Paradise war eine recht einfache Route aus der Stadt heraus beschrieben. Nach einigen Metern war ich schon auf der New North Road, die irgendwann in die Great North Road übergeht und aus der Stadt führt. Aber es bleibt der Verkehr einer echten Großstadt und ist nicht witziger, als die Eschersheimer Landstraße rauszufahren. Nur länger. Nach 15 km komm man in die Vorstädte, nach 20 km ist man fast draußen, nach 24 km verpasst man eine Abzweigung, fährt 1,7 km lang einen knackigen Anstieg hoch und wundert sich, dass die Grundrichtung zu Südwest statt Nord geworden ist. Oben das GPS angestellt und wieder runterrollen lassen. Nach 40 km komme ich auf den SH 16 zurück, der aus Auckland heraus ein Motorway war. Bis kurz vor Helensville habe ich noch den Wind schräg von hinten, danach viel seitlich und für einige km auch „richtig auf die Fresse“ gekriegt. Bis Wellsford gibt es auf dieser Strecke „no services“, aber ein kleiner Hügel reiht sich an den nächsten. Während es auf der Südinsel eher die Makrowellen waren, sind es hier mehr die Mikrowellen. Höher als 210 m bin ich heute nicht gewesen. Entsprechend sieht die ganze Landschaft aus: Alles besteht nur aus Hügeln. Ein paar Bilder gibt es heute auch wieder.
Der Wind wird während des Tages immer stärker und es zieht mehr Bewölkung auf. Zwischendurch fallen sogar mal 3 Tropfen, mehr zum Glück nicht.
Hier gibt es wie geschildert nicht viel sehenswertes. Ich bekomme das letzte Zimmer im Motel, kurz danach steht draußen NO VACANCY.
Der Tag ging heute gut in die Beine durch die vielen Höhenmeter und den heftigen Wind. Jetzt sitze ich hier in einem Cafe, in dem es mediterrane Küche gibt: Pizza, Pasta, Kebap. Die Medium-Größe war durchaus genug. Als ich zunächst standardmäßig Large bestellen wollte, kam die Frage, ob ich die alleine essen wollte. Über der Bar hingen dann Teller für die jeweilige Größe und Large war in der Tat äußerst Large.
Leider kriege ich momentan auf der Wetter-Seite nicht viel Informationen angezeigt, allerdings scheint es wieder schlechter zu werden. Ich hoffe, dass alles Mistwetter über Nacht durchziehen möge. Meine morgige Unterkunft in Dargaville habe ich bereits per Email gebucht, die für übermorgen in Omapere auch schon angefragt. Sind dann jeweils kürzere Etappen mit 100 oder weniger km.

Auckland – 03.03.2009

Noch deutlich vor sieben Uhr ging das Geraschel los. Da Wellington immer am Anfang oder Ende aber niemals mitten auf einer Busstrecke liegt, heißt das für Weiterreisende meist früh aufzustehen. So bin auch ich um halb acht raus aus den Federn. Nur deshalb habe ich die letzten Schauer noch erleben dürfen, im Laufe des Tages wurde es wieder schön, wenn es auch sehr windig dabei war.
Das Baguette von gestern war matschig, da habe ich mir lieber gleich ein frisches besorgt. Nach ausgiebigem Frühstück habe ich meine Klamotten ins Schließfach gepackt und hatte einige Stunden Zeit, mir Wellington anzusehen. Ich wollte ja gerne mal das Cable Car sehen, dass wir vor 14 Jahren gesucht und nicht gefunden hatten. Also bin ich etwas höher am Berg entlang gegangen, denn irgendwo muss es da ja vorbeikommen. Als ich mein GPS irgendwann eingeschaltet habe, stelle ich fest, dass ich maximal 30 – 50 m davon entfernt sein muss. Zu sehen: nichts. Nach einigem Suchen habe ich aber doch die Schiene entdeckt, die dort aus einem kleinen Loch kommt und sich unter der Schnellstraße langwindet. Ich glaube auch das Backpacker von 1998 entdeckt zu haben, in dem ich die Nacht vor der Überfahrt auf die Südinsel verbracht habe. Es war damals das mit dem niedrigsten Rating von ganz NZ. Dazu noch das Parlamentsgebäude und hier und da einfach nur geguckt.
Am frühen Nachmittag bin ich die 10 km bis zum Flughafen an der Uferpromenade entlang geradelt. Nett zu fahren, wenn auch mit heftig Gegenwind, der einen ganz schön ankotzen würde, wenn man den ganzen Tag gegenan müsste.
Bei Quantas habe ich die Bike Box für 20 Dollar erstanden. Brauchte nur Sattel, Lenker, Pedalen und Vorderrad rauszubauen und es war noch deutlich mehr Platz fürs Vorderrad als auf dem Hinflug vorhanden. Da hatte ich die Bremsscheibe noch abgeschraubt, um Verbiegen zu vermeiden. Brauchte ich heute nicht. Ein wenig Gepäck ins Handgepäck und ich brauchte trotz 23 kg Freigepäck kein Übergepäck zu bezahlen. Wobei ich vermutlich dennoch 2 – 4 kg drüber gewesen bin.
Fenster gab es noch, aber linke Seite. Keine Ahnung, ob man rechts die Berge sehen konnte, links war der Taranaki gut zu sehen, siehe Foto.
Nach der Landung wieder zusammenbauen, Gepäck in die Packtaschen und die Frage wohin mit dem Karton. Quantas verkauft die nur an eigene Passagiere. Bin ich in 12 Tagen aber nicht mehr. Die Quantas-Tussie am Domestic Terminal wollte mir den nicht aufbewahren und meinte sogar, dass Air New Zealand das Rad in dem Karton gar nicht mitnehmen würde. Ich denke soweit geht die Rivalität zwischen AUS uund NZ nun doch nicht. Also bin ich mit dem Karton in der einen und dem vollbepackten Rad in der anderen zum International Terminal rübermarschiert. Den dortigen Gepäckaufbewahrer konnte ich noch von 48 auf 30 Dollar runterhandeln und das erscheint mir alles einfacher als entweder hier in Auckland am letzen Tag (auch noch Sa oder So) einen Karton vom Radgeschäft zu besorgen UND mit dem ganzen Krempel zum Flughafen zu kommen oder aber einen Quantas-Passagier aufzutreiben und dem klarzumachen, dass er für mich mal eben einen Karton kaufen soll. Dann lieber 10 Dollar (wahnsinnige 4 Euro) mehr und wissen, dass alles in Butter ist.
Die Fahrt nach Auckland rein war auch eine Irrfahrt. Nach wenigen km wird die Straße zum Motorway und ein Wegweiser für Radfahrer nach Auckland führt nach links. Bei dem einen sollte es auch bleiben. Zwischendurch habe ich einige Male das GPS angeschmissen um mich zu orientieren, da auch die Wegweiser „City Centre“ da waren und wieder ausblieben.
Hier sitze ich nun in der Jugendherberge, die in einer Seitenstraße dee Queen Street liegt. Die Queen Street ist fest in asiatischer Hand, ein Restaurant oder Takeaway reiht sich ans nächste mit allen asiatischen Variationen. Dazwischen zwei Tante-Emma-Läden, die auch asiatisch geführt sind. Der nächste richtige Supermarkt wäre 30 min zu Fuß entfernt gewesen, für ein Toastbrot und eine Packung Käse reicht auch das aus.
Ich will morgen versuchen, eine Bahn zu finden, die mich raus in die Vororte bringt. Sollte das nicht gelingen, muss ich mich wohl ein ganzes Stück durch den Verkehr einer Millionenstadt rauskämpfen. Morgiges Ziel ist Wellsford, über den längeren aber auch schöneren und flacheren Highway 16 statt des Highway 1. Zur Unterkunft bin ich noch völlig planlos, aber irgendwas wird das Nest schon bieten. Ich bin zumindest sehr gespannt auf die mir völlig unbekannten Northlands. Die Runde werde ich im Uhrzeigersinn fahren, am Freitag bin ich dann an der Kauri Coast, wo es uralte Kauri-Bäume mit 60 m Höhe und 8 m Durchmesser gibt.

Wellington – 02.03.2009

Und hier der zweite Teil des Tages, geschrieben von der Südspitze der Nordinsel. Mitwirkende: eine große Fähre, meine erstmals zum Einsatz gekommene Fahrradbeleuchtung und eine unerwartete hellbraune Papiertüte.
Einchecken in die Fähre ist eigentlich ganz einfach. Ganz oben gehen die Fußgänger rein, in der Mitte fahren die Autos rein und ganz unten fahren die richtig großen rein: Eisenbahnen und Radfahrer. Ich sollte also einfach nur da außen rum ums Gebäude usw. Den blauen Strich, dem Radfahrer folgen sollten, hatte ich dann auch entdeckt, folge ihm auch, quere die Bahngleise und bin irgendwann der Ansicht, er führt zum Nachbarschiff. Umgedreht und schon waren die Schranken zu, damit die Bahn einfahren kann. Klingt einfach, ist es aber nicht. Die Bahn fährt rein, kuppelt das erste Viertel ab, setzt zurück, fährt ins Nebengleis ein, kuppelt das zweite Viertel ab, setzt … naja ihr wisst schon und irgendwann ist sie auch endlich fertig verstaut. Konnte in der Zeit auch nicht mal eben rüber und die Jungs fragen, ob ich denn überhaupt im richtigen Film bin. Ich darf danach auch rein, zurre mein Rad an der Seite fest und ab aufs Oberdeck. Natürlich nix mit Swimming-Pool a la Traumschiff.
Der größte Teil der Fahrt ist noch im Hellen und es gibt schöne Einsichten in die vielen Buchten. Insgesamt eine recht ruhige Fahrt.
In Wellington wird wieder rückwärts eingeparkt und da heißt es last in – first out. Mein Rücklicht, eigentlich an der Sattelstütze montiert, dort aber vom Packsack verdeckt, klemme ich um die Wicklungen des Packsacks, um in der großen Stadt nicht gleich über den Haufen gefahren zu werden, denn es ist mittlerweile kurz nach neun und dunkel. Auf der Fahrt einmal das GPS vom Handy angemacht, um mich zu orientieren und auch gleich die Jugendherberge gefunden. Fahrrad eingeschlossen, Dusche genommen und rüber in den Supermarkt, der hier an 7 Tagen von 7 bis 24 Uhr geöffnet hat. Baguette zum Frühstück und ein Bier zur guten Nacht besorgt und an der Kasse zieht der gute Mann eine braune Papiertüte raus. Häää – das Baguette ist doch schon eingepackt und wo außer beim Bäcker gibt es sonst diese Tüten? Na klar, die Bierflasche verschwindet drin, als ob die Fähre mich direkt nach Amiland gebracht hätte. Soweit hat aber alles prima gepasst, nur der Pulsmesser-Brustgurt ist nicht hier angekommen. Da hatte ich ja YHA Wellington mit der Straße in Auckland vermischt. Entweder geht das Ding jetzt als „undeliverable“ zurück nach Haast und er schickt es dann nach Auckland oder ich kaufe mir zu Hause einen neuen Gurt. Sch… Doch drauf.
Hier hatte ich in der YHA zumindest mal eine kleine Wiedererinnerung: die Autovorfahrt habe ich wieder erkannt, auch wenn ich sie größer in Erinnerung hatte.
Jetzt werde ich den Tag hier ruhig ausklingen lassen, einen Haufen Bilder von der Überfahrt habe ich noch hochgeladen.
Für den Flug nach Auckland will ich gerne einen F-Sitzplatz haben, von da müsste man den Tongariro National Park mit den Vulkanen am besten sehwn können.