30.01.2011 – Hobart

Der letzte Tag bricht an. Ich stehe auf,ziehe mir die Unterhose an, da kommt von Sebastian nur „falsche Hose, wir gehen heute morgen ins Wasser“. Ok, Badehose an. Aber es war nur ganz kurz eintauchen und wieder raus. Anschließend aber ein gutes Gefühl. Nach dem Frühstück aus Kaffee und Müsliriegeln sind wir aufgebrochen. Während unseres Frühstücks am Steg hörten wir jedoch noch ein Geräusch und anschließend war eine draußen liegende Tüte mit Müll wild verteilt vor der Hütte. Die Tagesetappe führt uns mehr oder weniger nah am See durch den Wald. Einmal kann ich gerade noch meinen Hacken vom Aufsetzen bewahren, sonst wäre ich der kleinen braunen über den Weg huschenden Schlange auf den Schwanz getreten. Hätte sie wohl unlustig gefunden. Weitere Schlangen bleiben uns an dem Tag erspart. Nur ein igelähnliches Viech mit längerem Rüssel treffen wir noch. Der igelt sich aber an einer Baumwurzel ein und verharrt so. Um die Mittagszeit kommen wir in Cynthia Bay an, auf dem letzten Kilometer kündigt sich die Zivilisation bereits durch Flip-Flop-tragende Daywalker an. Das erste nach der Rückmeldung im Logbuch ist ein kaltes Bier für 7 Dollar. Eigentlich nur 3,50, denn das knallt rein für zwei. Im Anschluss noch eine Portion Fish & Chips, damit ist die erste Grundversorgung gemacht.
Nach etwas Abhängen mache ich mich auf die letzten 5 km auf der Straße zum Derwent Bridge Hotel, von wo aus ich den Bus gebucht habe. Der kommt zwar auch in Cynthia Bay vorbei, aber lieber kein Durcheinander produzieren. Ursprünglich war ja geplant, bereits am Vorabend dort ins Hotel zur Übernachtung zu gehen. Das wäre aber ein sehr langer Tag geworden, dazu noch viel Geld fürs Hotel ausgegeben und es wäre auch ein eher langweiliger Sonntag geworden. Nach dem halben Weg überholte mich das Ehepaar, das an der Echo Point Hut gezeltet hatte und nahm mich in ihrem 80er-Jahre Toyota Corolla bis Derwent Bridge mit. Dort verbrachte ich die restliche Zeit im Cafe, hatte leider weiterhin keinen Handy-Empfang und gegen 17:30 kam der Bus. Mit einem heißen Reifen durch die Berge lieferte der uns um 20 Uhr in Hobart ab. Noch 10 Minuten zu Fuß in die YHA und dann gab es endlich eine Dusche. Den Tag haben wir dann mit einigen Leuten und einigen Bieren am Hafen ausklingen lassen. Anna, die ich in Pelion Hut getroffen hatte und die dann mit zum Mount Ossa gewandert ist und schon einen Tag „Rückstand“ auf mich hatte, hat am letzten Tag noch einen rausgehauen. Da die Fähre eher unsicher war, ob sie kommt und noch Plätze frei hat und ihr die 38 Dollar auch recht teuer erschienen, ist sie lieber die letzen 16 km am See enlang gewandert, ist dann per Anhalter nach Hobart und kam gerade in die YHA, als ich fertig geduscht hatte. Es waren so einige Leute, die man zwischendurch getroffen hatte, hier eingekehrt.
Auf dem Rückweg im Bus war es richtig schade, dass man sich nach 4-5 herrlichen Tagen im Busch wieder der Zivilisation näherte.
Fazit: Eine der geilsten Touren und Erfahrungen, die ich je gemacht habe und ich würde sie jedem Australien-Reisenden ans Herz legen.

29.01.2011 – Echo Point Hut

Nach einer recht erholsamen Nacht mit Ohrstöpseln (ich hatte die untere Pritsche für mich und oben hatten sich vier oder fünf Franzosen eingerichtet, die nach mir recht geräuschvoll reinkamen) in einem warm-stickigen Raum habe ich morgens beim (Müsliriegel-)Frühstück zwei junge Deutsche getroffen, die mir einen heißen Kaffee ausgegeben haben. Der tat am vierten Tag richtig gut! Wir hatten dann auch gesagt, dass wir zusammen gehen könnten, aber sie wähnten mich bei ihrem Aufbruch schon losgegangen, ich hörte nur noch „Aufbruch!“ und weg waren sie, bevor ich meinen Kram fertig gepackt habe. Nach einer Stunde hatte ich die inzwischen rastende Gruppe eingeholt und wir sind zusammen weiter. Landschaflich ging es durch mehr oder weniger dichten Wald. Eine kurze Pause wurde uns durch die nächste schwarze Tiger Snake beschert, die vor uns am Wegesrand war und sich nur langsam vom Acker machte. Vor Narcissus Hut ging es dann über eine Schwingbrücke auf die andere Seite des Narcissus River. Auf die Brücke durfte immer nur eine Person zur Zeit. Mit der Gruppe verflog die Zeit und wir waren an der Narcissus Hut am Nordende des Lake St. Clair. Von dort geht die Fähre für 38 Dollar ans Südende des Sees. Der Overland Track ist hier aber noch nicht zu Ende. Trotzdem brechen die meisten hier schon ab. Aus unserer Gruppe auch vier Leute. Nachdem wir sie zur Fähre gebracht haben und dabei die nächste Tiger Snake unter, neben und auf dem Boardwalk beobachten konnten (die ließ sich von den Leuten und Kameras aber nicht stören), sind wir noch an der Hütte schwimmen gewesen. Einmal rein in das arschkalte Wasser und wieder raus trifft es besser als schwimmen. Nach dem Bad trödelte die nächste Tiger Snake an der Badestelle vorbei, unser Bedarf an Schlangen war mittlerweile gedeckt.
Am Nachmittag nahmen wir die letzten 6 km bis zur Echo Point Hut in Angriff. Zwischendurch noch eine Pause direkt am See. Die Echo Point Hut ist nur eine kleine uralte Hütte für 8 Personen, meine Befürchtung, keinen Platz zu bekommen, stellte sich aber als unbegründet heraus. Wir waren die ersten und sollten auch in der Hütte die einzigen bleiben. Lediglich ein älteres Ehepaar baute später noch ihr Zelt auf. Zum Abendessen gaben Sebastian und Christian mir noch eine Portion Nudeln aus, ich habe mich zum Frühstück revanchiert: mit Müsliriegeln!
Um halb acht lagen die beiden schon in der Hütte, mir war das zu hell und zu früh, also bin ich noch etwas am Strand gegangen. 20:15 war aber die Langeweile so groß, dass ich mich auch hingelegt hat. Um viertel vor zwölf hat mich dann irgendein Viech in den Oberschenkel gebissen/gestochen, dass es richtig weh tat. Eine Ratte war es nicht. Die plumpste erst um halb drei bei den beiden anderen auf die Bohlen ihres Bettes. Hektisches Gekreische und blitzschnell waren die Taschenlampen an. Zum Wegschmeißen, besonders wenn man selbst keine Ratte im Bett hat.

28.01.2011 – Wind Ridge Hut

Das Wetter hat sich zum nächsten Morgen wieder gefangen und die Sonne scheint. Das macht die Sache nicht einfacher, da es zunächst 300 m hinauf geht bis zum Pelion Gap. Zum Glück durch den Regenwald und noch nicht durch die pralle Sonne. Am Pelion Gap werden die Rucksäcke abgeschnallt und nach kurzer Pause mache ich mich auf den Weg zum Mount Ossa, mit 1614 m der höchste Berg Tasmaniens. Es führt zunächst an den Mount Doris heran, dort ein Stückchen eben vorbei in eine kleine Senke, bevor die letzten 400 Höhenmeter in Angriff genommen werden. Wie schon beim Cradle Mountain geht es über riesige Steine hinweg. Unterwegs treffe ich Anna wieder, die vor mir in Pelion Hut aufgebrochen ist und eigentlich lieber dort sitzen bleiben als weiter hochkraxeln möchte. Sie schließt sich aber doch einem anderen Mädel und mir an und sollte es nicht bereuen. Auch hier ist die Aussicht vom Gipel phänomenal. Nach einer Pause auf dem Gipfel und dem Abstieg stelle ich fest, auch hier nur wenig unter der veranschlagten Zeit geblieben zu sein. Während bei normalen Passagen 2/3 der Zeit ausreichen, ist die bei den schweren Aufstiegen nicht möglich. Danach geht es im Großen und Ganzen bergab bis zur Kia Ora Hut, wo ich eine längere Pause einlege. Meine erste Schlange (eine von den kleinen braunen) habe ich auch schon gesehen. Nun stehen um halb vier nachmittags noch weitere 9 km plus die Abstecher zu drei Wasserfällen bevor. An der Du Cane Hut sehe ich die erste große schwarze Tiger Snake, die sich gerade unter die Hütte verkriecht. Die Wasserfälle kosten auch nochmals 1,5 Stunden und soooooo spektakulär waren sie dann nicht. Zumindest verfluche ich sie, da ich nun bis halb acht unterwegs bin, bevor ich endlich die Windy Ridge Hut erreiche. Die letzen 2 km geht es zum Glück wieder runter und ich trotte nur noch der Hütte entgegen. Nun bin ich wirklich kaputt. Abends stecke ich mir Ohrenstöpsel rein, um ruhiger schlafen zu können. Die Hütte ist auch ziemlich laut und polterig. Immerhin ist mir diese Nacht nicht mehr kalt.

27.01.2011 – Pelion Hut

Die Nacht war ganz schön kalt. Obwohl ich nicht zu den kälteempfindlichen gehöre, habe ich mir doch den Schlafsack bis auf ein Gesichtsloch zugezogen. Auf der harten Matratze mit gut 20 Leuten in einem Raum und genügend Schnarchern war es trotz der 10 Stunden nicht wirklich erholsam. Nach ein paar Müsliriegeln (alle anderen schmeißen wieder ihre Kocher an, wobei ich manches von deren gekochtem Matsch werder warm noch kalt essen möchte) packe ich meine Sachen und breche in den kühlen Morgen auf. Einziger Side Trip für heute ist Lake Wills und die Innes Falls. Nach gut einer Stunde biege ich dorthin ab, wieder mit Gepäck, der Lernprozess dauert. Den See erreiche ich auch, beim weiterlaufen zu den Falls wird es jedoch immer morastiger, so dass ich vorher umdrehe, da ich weder völlig versinken noch außerhalb des eigentlichen Tracks herumtrampeln will. Mit einigen Auf- und Abstiegen geht es an der nächsten Hütte (Windermere Hut) vorbei durch ein Hochmoor (Pine Forest Moor), von wo aus man in das 500 m tiefe Forth River Valley gucken kann. Den Fluss sieht man jedoch vor lauter Bäumen nicht. Direkt danach setzt ein leichter Sprühregen ein. Genug, um den Rucksack und die außenhängende Isomatte mit der Regenhülle zu schützen, zu wenig, um selbst Regensachen anzuziehen. Als nächstes geht es erstmals durch richtig dichten Regenwald hinunter in die Frog Flats, den niedrigsten Punkt des Tracks. Gegenüber dem ersten Tag ist es heute viel matschiger, aber dank Goretex-Schuhen bis über den Knöchel hoch, kann ich meistens einfach durchlatschen. Die Hose sieht bis zum Knie aus wie Sau, aber es ist ja nur Erde und Wasser. In dem Regenwald bleibe ich netterweise von Moskitos und Blutegeln verschont. Eigentlich ist das der Paradeabschnitt dieser Drecksviecher. Hinter den Frog Flats geht es die nächste Stunde wieder knackig hoch, bevor das letzte Stück wieder moderat eben wird und die Pelion Hut als heutiges Ziel auftaucht. Kurz nach meiner Ankunft fängt es doller an zu regnen und die von mir Überholten durften sich noch ihr Regenzeug anziehen. Heute sind hier auch einige Deutsche und man kommt mit vielen Leuten ins Gespräch. Abendessen: wieder Müsliriegel verschiedenster Geschmacksrichtungen. Anschließend auch hier früh in die Kiste.

26.01.2011 – Waterfall Valley Hut

Heute geht es los, das 4-5tägige Abenteuer „Overland Track“. Um 8:45 kommt der für 8:30 geplante Bus endlich an, er hat mich zum Glück nicht vergessen. Es ist nur ein kleiner 9-Sitzer, außer mir sind nur zwei ältere Damen dabei. Der Fahrer setzt sich sein Headset auf und quatscht die ganze Zeit. Aber er scheint die Bedienungsanleitung des nagelneuen Wagens noch nicht zu Ende gelesen zu haben, denn obwohl das Kabel im Radio steckt kommt aus den Radiolautsprechern kein Ton. Es dauert auch eine Weile bis ich merke, dass er unsere Tour moderiert und nicht im Nebenjob ein Hörbuch bespricht. Zu jedem Grashalm kann er was erzählen. Nach kurzer Pause in Sheffield sind wir gegen 11:30 Uhr am Eingang zum Cradle Mountain National Park. Die Registrierung geht schnell und ich sitze im NP-Shuttle-Bus, der uns zum Dove Lake als Einstiegspunkt zum Overland Track bringt. Punkt 12 Uhr verlasse ich den Parkplatz mit meinem 20 kg schweren Rucksack auf dem Rücken. Es geht hoch und runter vorbei an kleineren Seen mit tollen Aussichten. Die Landschaft ist schon jetzt überwältigend. Zum Marion Lookout geht es dann richtig steil hoch, dafür wird man oben mit der ersten richtig tollen Aussicht belohnt. Weiter geht es auf ca. 1200 m Höhe ohne große Steigungen bis zur Kitchen Hut. Kurz danach folgt der erste Side Trip: Cradle Mountain. Als Newbie traue ich der Geschichte mit Rucksack einfach unten ablegen nicht und marschiere zunächst mit Gepäck hoch. Irgendwann wird es recht steil, so dass ich den Rucksack ablege und nur eine Jacke und die Kamera im Daypack mit hochnehme. Leider übersehe ich später einen Wegweiser und krabbel einen gefährlich anmutenden Weg extrem steil durch Geröll nach oben. Erste Zweifel beschleichen mich, dass man hier die ganzen Touristen hochschickt, aber ich mache weiter bis zum Grat. Dort kann ich zwar über eine Kante gucken, doch ich bin allein und der Gedanke, dass es der falsche Weg war, wird endgültig zur Gewissheit. Also wieder runter und dann sehe ich unten auch all die Wegweiser, die mir vorher entgangen waren. Ich muss in dem Moment völlig blind gewesen sein. Nach kurzem Zögern beschließe ich aber, den richtigen Weg auch noch zu gehen. Er ist einfacher und sicherer als der erste, aber auch hier muss man über viele Felsen klettern. Oben auf dem Gipfel wird man jedoch mit einer Aussicht belohnt, die für alle Mühen entschädigt. Allerdings habe ich nun fast die in den Führern veranschlagte Zeit benötigt, so dass ich im Verlauf des Nachmittags den weiteren Side Trip nach Barns Bluff (ca. 3 h) auslasse. Der Weg führt durch meist un- oder niedrig bewachsenes Gelände. Zum Schluss geht es wieder 200 m runter ins Waterfall Valley, wo die erste Hütte wartet. Dort sind später all die erfahrenen Profis mit ihren Kochausrüstungen, Stirnlampen, Bekleidung und anderem hüttengerechten Equipment. Ich komme mir mit meinen Müsliriegeln schon etwas seltsam vor. Abends sehe ich auch meine ersten Kängurus, die an der Hütte grasen und sich nicht stören lassen. Früh gegen 22 Uhr geht es ins Bett, da es dunkel ist und es nichts zu tun gibt. Aber es war ein beeindruckender erster Tag.

25.01:2011 – Launceston

Bisschen spät geworden heute abend, also noch schnell was zum Tag geschrieben:
Aufstehen war heute recht früh, da um 8:30 Uhr der Shuttle zum Flughafen ging. Melbourne dürfte einer der wenigen Flughäfen richtig großer Städte sein, die keinen Bahnanschluss haben. Flug war dann auch nichts aufregendes, in knapp einer Stunde ist man drüben und Launceston ist ein beschaulicher Provinzflughafen, bei dem man selbst übers Rollfeld zum Terminal latscht, der Raum um den Flügel und Triebwerk ist mal schnell mit Flatterband abgesperrt. In die Stadt bringt einen ein Shuttle-Bus, koste auch gleich wieder 14 AUD. Dafür aber auch direkt vor sie Tür.
Nachmittags habe ich mir noch die Schlucht von dem einen Fluss angeguckt, der mal irgendwann den Basaltfelsen durchbrochen hat. Schöner Spaziergang. Hier ist es im übrigen einiges kühler als in Melbourne. Könnte durchaus sein, dass ich hier nächste Woche nochmals vorbeikomme, mit Auto kann man auch die Umgebung besser kennenlernen.
Nachmittags/abends noch die Wäsche gemacht und mit anderen Leuten ins Gespräch gekommen. Ein Waliser, der gerade vom Overland Track zurück ist, ein Australier, eine Französin, die morgen bzw. übermorgen auf den Track gehen und eine Spanierin. Ein sehr unterhaltsamer Abend war das.
Ich sach dann erstmal „Tschüß!“ und melde mich am Samstag oder Sonntag wieder, je nachdem, wann ich wieder im Bereich von Handy-Empfang bin.

24.01.2011 – Melbourne

Gestern abend dachte ich bis 23 Uhr noch, dass ich allein in dem Zimmer bleiben würde. Um halb eins kamen dann doch noch drei Deutsche, die zwar nur das kleine Licht einschalteten (vermutlich nur, weil ich den zweiten Schalter vorher auf „klein“ gestellt habe), aber sich durch die schlafende Person nicht von ihrer Unterhaltung abbringen ließen.Nur gerecht, wenn der letzte von ihnen durch mein klingelndes Telefon aufgeweckt worden sein sollte, während ich duschen war.
Tagsüber habe ich dann eine längere Wanderung/Spaziergang über die Southbank nach St. Kilda gemacht. Zurück habe ich aber die Bahn vorgezogen und bin noch zu dem Badehosen-Laden gefahren, um für Tommi noch seine Aussie-Badehose zu besorgen. Anschließend ging es zum Aldi – die Verpflegung für den Overland Track von Mittwoch bis Samstag einkaufen. 3 kg Müsliriegel, Fruchtschnitten etc. (siehe Foto). Danach werde ich das Zeug wohl für einige Zeit nicht mehr sehen können. Außerdem noch Klopapier, das Salz für den Eigenbedarf und zum Ablösen von Blutegeln konnte ich aus der Küche abgreifen.
Mit der Hinfahrt von Launceston zum NP gab es noch das Problem, dass sie keine Buchungsdaten von mir hatten, als ich anfragte, ob ich am Backpacker aufgesammelt werden würde. Sie hatten wohl nur im Haufen der Buchungen für die Tagestour gesucht, die nachmittags wieder zurückfahren. Nachdem ich die Buchungsbestätigung gemailt hatte, war alles paletti. Bei der Tour nach dem Overland Track hatte ich dem Busunternehmen wie gewünscht meine Kreditkartendaten geschickt, mich aber krumm ausgedrückt und sie sahen das als Storno an und dass sie das (noch gar micht bezahlte) Geld meiner Kreditkarte gutschreiben sollten. Zum Glück riefen sie an und es hat sich geklärt, dass ich fahren werde.
Nun freue ich mich auf den morgigen Flug nach Tasmanien. Abends steht dann noch Wäsche waschen und Umpacken des Rucksackes für die Tour an.

23.01.2011 – Melbourne (2)

Ich musste mich am späten Nachmittag noch eine Runde auf die Matratze legen. Nur ruhen, nicht schlafen. Sonst wäre ich vermutlich gar nicht mehr oder total matschig wieder hochgekommen. Gegen Abend kann man es dann wieder draußen aushalten, wenn es kühler wird.
Heute und gestern ist mir aufgefallen, dass hier haufenweise Singlespeeder/Fixies rumfahren. Irgendwie macht einen sowas ganz nervös. Wäre doch auch ein nettes Spielzeug für den flacheren Teil der Wetterau und Rhein-Main (nein, wenn dann nur Singlespeeder und kein Fixie und Taunus-RTF mit Fixie dürfen gerne Larissas Domäne bleiben). Die Schaufenster der Radläden hängen hier alle voll mit den Teilen.
Ansonsten habe ich es heute noch in die Pizzeria geschafft und eine große Pizza mit zwei VBs vernichtet. Mahlzeit!

23.01.2011 – Melbourne (1)

Gestern abend habe ich mein mitgebrachtes Buch zu Ende gelesen. Wurde dadurch fast ein Uhr, aber jetzt kann ich es hier liegen lassen und schleppe ein Pfund weniger durch die Gegend. Beim Frühstück habe ich mir die einzige Tasse mit intaktem Henkel aus dem Haufen gesucht und mich durch nochmaliges Abwaschen vergewissert, dass es sich bei den Ablagerungen um ewigen Dreck handelt. Trotzdem schmeckte das aufgelöste Kaffeepulver seltsam(er als sonst). Habe es dann bei einer halben Tasse belassen. Nach dem Check-out bin ich die paar Hundert Meter zum YHA gewandert und habe meinen Krempel dort eingeschlossen.
Im Anschluss eine Wanderung nach Fitzroy, wo es einen Schwimmklamottenladen gibt. Einige Leute wollten Aussie- und Kiwi-Klamotten mitgebracht haben. Zum Teil bin ich zumindest fündig geworden. Irgendwann war ich wieder im Hostel und habe eingecheckt. Die Zimmer sind gut und es läuft kontinuierlich der Ventilator. Bei dem Wetter Tennis spielen geht auch nur für Geld. Ansonsten hält man sich besser im Schatten auf.
Ein paar neue Fotos sind auch online. Außerdem habe ich bei Aldi geguckt, was die an potenzieller Verpflegung für den Overland Track haben. Es wird morgen eine gute Mischung aus Müsliriegeln, anderen Riegeln und Keksen eingekauft werden. Etwas Salz sollte ich auch noch einpacken. Mittwoch mittag geht es los und am Samstag abend oder im Laufe des Sonntags muss ich in Derwent Bridge sein, da am Sonntag um 17:30 der Bus nach Hobart gebucht ist.

22.01.2011 – Melbourne

Abends viertel nach zehn und der PC hier im Hostel ist frei. Schoen, wieder eine grosse Tastatur zu benutzen. Aber wie bin ich bis hier und jetzt gekommen?

Nach einer unruhigen Nacht, keine Ahnung warum, bin ich um 8 Uhr hoch und sass um 9:40 im Auto in Richtung Melbourne. Gute 120 km, um 12 Uhr muss ich es abgeben, das sollte locker passen. Tat es auch, bis ich mich dem Ziel auf etwa 15 km naeherte. Es tauchten Schilder an der Autobahn auf, dass gleich die mautpflichtige Strasse beginnen wuerde. Dazu saftige Strafandrohungen bei Zuwiderhandlung. Also bin ich erst mal abgefahren, habe mein Handy-Navi angemacht, um zu sehen, wo ich denn ueberhaupt hin muss. Dann hat das bloede Teil unter haeufigerem Verlust der Satelliten dauernd was von jetzt links abbiegen gefaselt, wo auch gar keine Strasse zum reinfahren war. Also war die Aktion rechte Hand zum Handz in Fensternaehe halten, linke Hand zum Schalten und der Rest zum Lenken angesagt. Bin dann irgendwie dem Ziel immer naeher gekommen und – ohje, Tanken muss ich ja auch noch – ging es erstmal von der falschen Seite in die Tankstelle. Immerhin stand ich diesmal mit dem Tankdeckel richtig zur Saeule. Ein paar weitere Schlenker und Fehlversuche beim Rechtsabbiegen (das machte man laut Skizze auf dem Schild an der Kreuzung durch Ausholen nach links und dann mit der Gruenphase des Querverkehrs rueber) inkl. Hupkonzert war ich tatsaechlich um Punkt 12 Uhr heilfroh bei Hertz angekommen und habe die Kiste wieder abgestellt.

Naechstes Problem: Unterkunft. Ab morgen habe ich erst im YHA gebucht, also marschiere ich da in der Hoffnung, doch noch was zu kriegen, mit meinem Gepaeck hin. Leider Fehlanzeige und das Maedel machte mir auch keine so grossen Hoffnungen. Wegen Ferien, Wochenende, schoenem Wetter und Australian Open ist Melbourne ziemlich ausgebucht. Sie empfahl mir, es auf  www.hostelworld.com zu versuchen. Die Seite wollte aber nicht fuer heute, sondern fuer Buchungen ab dem 25.1. mit mir zusammenarbeiten. So also auch nichts. Auf dem Hinweg bin ich doch an so einem Backpacker vorbeigekommen. Dort also rein und gefragt. Nein, hier ist auch alles voll, er haette nur noch ein Einzelzimmer in einem nahegelegenen Hostel. 60 $, nun gut. Bevor ich ewig nach was anderem suche und morgen frueh vielleicht in einer voellig anderen Ecke dieser kleinen Stadt bin, nehme ich das. Er faehrt mich schnell rueber, ich sage zu und kann den Tag bereits ab 13 Uhr geniessen. Die Kueche sieht zwar eher aus wie Sau, die Unterschiede zwischen dreckigem und sauberem Geschirr sind fliessend, aber es reicht fuer die Nacht. Ein PC mit freiem Internetzugang ist dafuer auch nicht schlecht. Auch wenn der Monitor so verdreckt ist, dass er sich ins Kuechenbild nahtlos einfuegt.

Den Tag ueber bin ich einfach nur rumgeschlendert. In einer Einkaufsmall (Central) ist ein uralter Turm in der Mitte erhalten geblieben und darueber thront jetzt eine riesige Glaskuppel. Geile Verbindung von Altem mit der Moderne War auch bei den Australian Open vor den Stadien, da war ordentlich was los. Ich haette aber wenig Lust, mich bei der Sonne den ganzen Tag reinzusetzen. Ist so vom innersten Stadtzentrum her eine nette Stadt, auch heute abend war noch verdammt viel auf den Strassen unterwegs. Mal sehe, wo ich mich die beiden naechsten Tage noch herumtreiben werde. Die ganz grossen Sehenswuerdigkeiten, wie Sydney sie mit Oper und Harbour Brigde bietet, fallen mir bislang noch nicht ein.

Das Wetter war auch heute wieder klasse und sommerlich. Dafuer, dass es der nasseste Sommer seit Ewigkeiten ist, habe ich bislang ein paar mal 2-5 Minuten Regen abbekommen. Queensland steht ja voll unter Wasser und im Westen und Norden von Victoria hat esauch viel Regen mit Uerflutungen gegeben. Dort sind wohl Passagen der Great Ocean Road erst komplett gesperrt gewesen und dann wieder einspurig mit Ampeln dazwischen freigegeben worden.

Das letzte Bild von heute zeigt uebrigens 4 Freaks, die in einer 1,5 – 2 m breiten Haeuserschlucht Tennis spielen. In weiss gekleidet, der zweite von vorne mit einer Peruecke Modell „Bjoern Borg“.