Picton – 02.03.2009

Heute gibt es mal einen Blog in Zwei Teilen. Teil 1 mit der Radfahrt bis nach Picton jetzt am Nachmittag (Ortszeit), Teil 2 mit der Fährenüberfahrt nach Wellington am späten Abend oder morgen früh.
In einem Satz: Ein fantastischer Tag. Die Hauptakteure dabei (in völlig wirrer Reihenfolge): Sonnenschein, Wärme, Westwind, gutes Frühstück, tollste Landschaft, Zitronenkuchen und vielleicht noch ein paar mehr, die ich jetzt gerade vergessen habe.
Aber der Reihe nach. Die Schlafgewohnheiten konnte ich letzte Nacht etwa genauer analysieren. Der Psycho ging um halb elf ins Bett und eine halbe Stunde später hätte Greenpeace mit Transparenten „Save the forests!“ auf der Matte stehen müssen, da hatte der schon die erste Lichtung freigeräumt. Um Punkt 3 Uhr kam zumindest einer von den Youngstern und machte die große Neonleuchte an der Decke an. Lag dann kurz danach im Bett und klickerte fleißig SMS. Tastentöne natürlich nicht abgestellt. Herr, lass Hirn vom Himmel regnen. Die Zeit erklärt aber auch, warum die Jungs bis Mittag in der Kiste liegen.
Zum Frühstück wieder lecker Baguette und die Honig-Nutella-Connection hat sich mittlerweile um Himbeer-Marmelade vergrößert.
Um halb zehn war Abfahrt. Die ersten 12 km flach an der Küste nach Norden. Es war gerade Ebbe und dieser Teil des Hafens war bis zu dem Damm weiter draußen komplett trocken gefallen.
Dann ging es die erste Asphaltblase (100 hm) hoch, halb wieder runter, eine ausgewachsene Asphaltblase auf 350 m wieder rauf, wieder fast runter und die letzte auf 250 m hoch. Ab km 42 ging es eigentlich nur runter oder flach bis nach Havelock bei 74 km. Kleine Anstiege in der Größenordnung norddeutscher Deichhöhen mal außer Acht gelassen. Die Landschaft war bis dahin ganz schick, aber zu überragend fehlte noch ein bisschen. Die scheinen ihr Geld hier mit dem Abholzen und wieder Anpflanzen von Bäumen zu verdienen. Viele kahle Hügel oder wieder aufgeforsteter Nadelwald (der wächst ja so wunderbar schnell), zwischendrin auch mal der ursprüngliche Laubwald.
In Havelock gab es dann cyclist’s lunch: Eine Cola, eine große Schale Milchkaffee und zwei Stücke richtig leckeren Zitronenkuchen. Da die Fähre erst um 18 Uhr geht, hatte ich auch Zeit ohne Ende. Die Landschaft veränderte sich schon, die ersten Sunde der Marlborough Sounds waren zu sehen.
Hinter Havelock verlässt man den Highway und fährt auf den Queen Charlotte Drive. Diese letzten 35 km sind der Hammer, wie ihr schon allein an der Menge der Fotos nach dem Zitronenkuchen sehen könnt. Es geht einen Hügel hoch, dort oben ist ein Aussichtspunkt, danach sanft wieder runter und unten am Sund weiter. In Linkwater verlässt man den einen Sund und kommt an den nächsten, an dem es immer wieder ein Stück hoch und runter geht. Das ganze inmitten von Wald, Palmen und riesigen Farnen. Höchste Punkte dürften ca. 100 m drüber liegen. Die Anstiege bis Picton merkt man aber gar nicht, das ist wie eine Achterbahnfahrt und in Picton denke ich nur, „schade, das hätte noch lange so weitergehen können“. Zwischendurch mache ich etliche Stops zum Fotografieren.
Mein Fährticket habe ich auch schon, nun sitze ich hier mit ein paar Cookies an der hübschen Strandpromenade von Picton und schreibe das hier zusammen. Um 17:30 ist dann Boarding. Meine Fähre sehe ich gerade einlaufen.

Links zu den Etappen

Diese beiden Bücher als PDF zum Herunterladen „Pedallers Paradise South Island“ und „Pedallers Paradise North Island“ sind die beiden Klassiker für Radwandern über die Inseln. Ich habe sie mir 1998 gekauft (und vor meiner Abfahrt auf den Scanner gelegt), sie sind in einer sehr einfachen Aufmachung gehalten, bieten aber eine Menge Informationen über Entfernungen, welche Steigungen/Gefälle einen erwarten und ob man zwischendurch was einkaufen oder auch übernachten kann. Manche Infos zur Versorgung sind mittlerweile überholt, manchmal ist weiterhin 100 km lang nichts vorhanden und die Berge sind wie eh und je. Viele meiner Touren sind da auch drin. Viel Spaß beim Schmökern!

Nelson – 01.03.2009

Heute ist wieder ein klasse Tag. Ich habe bis 9 Uhr ausgeschlafen. Wenn ich aber die beiden Youngster im Zimmer betrachte, die um halb zwölf noch immer in der Kiste lagen, muss ich das als erste Zeichen von seniler Bettflucht bei mir deuten. Wobei in der Nacht in einem der Nachbarbetten das ganz große Sägewerk angeschmissen wurde. Vielleicht war es der Psycho aus Wellington, der mir gestern klar machen wollte, dass ich vollkommen verrückt sei, Neuseeland mit dem Rad zu bereisen. Viel zu gefährlich bei dem Verkehr und den Manieren der Autofahrer. Die Fahrweise ist hier wahrlich oft nicht besser als im Rhein-Main-Gebiet (Meik würde den A…och-Faktor auf die pure Wetterau reduzieren), der seitenabstand beim Überholen nicht besonders groß, aber es ist halt nicht besonders viel los außerhalb der Städte mit 5- oder 6-stelligen Einwohnerzahlen. Naja, irgenwann ist der Typ abgezogen und wünschte mir noch viel Glück beim Überlebenskampf.
Das gestrige Mistwetter ist vorbei, vormittags hängen noch ein paar mehr Wolken herum, aber nachmittags wird es immer schöner.
Mein Gang zum Brötchen holen führte zu dem Foto weiter unten und dann zu einem leckeren und ausgiebigen Frühstück. Direkt nebenan ist das Sportgeschäft, in dem ich gestern die neuen Schläuche geholt habe und viele Geschäfte machen hier auch Sonntags auf. So habe ich meine Kette nach den beiden letzten Tagen – erst Staub, dann Regen – reinigen und ölen lassen. Anschließend bin ich an den Hafen, von wo aus man schön über die Tasman Bay gucken kann. Mittags eine Portion Chips (ohne Fish), nachmittags ein Stündchen geschlafen und nochmal herumgeschlendert. Jetzt am späten Nachmittag ist es aber ziemlich tot, fast alles ist geschlossen. Deshalb habe ich auch keine der „Air guitars – for free“ (siehe Fotos) genommen. Der gestern angesprochene Italiener ist übrigens auch zu, so dass es heute wohl wieder auf Pizza-Hut hinauslaufen wird. War gestern aber sehr lecker. Neben mir löffelte einer sein Müsli und meinte, die Pizza sähe sehr viel leckerer als sein Müsli aus. Vollste Zustimmung.
Die Jugendherberge für Auckland übermorgen ist auch gebucht. Für die Northland-Tour bin ich noch in der (Um-)Planung. Ich denke, das Kaitaia meine nördlichste Übernachtung werden wird und ich mir eine Tour zum Ninety-Mile-Beach und Cape Reinga suchen werde. Da werden wohl auch 4WD-Fahrten über den Strand angeboten. Ganz oben ist nichts wahres zum Übernachten und um an zwei Tagen eine über 100 km lange Straße hoch- und wieder runterzufahren ohne dabei den Ninety-Mile-Beach zu sehen, fehlt mir doch die unendliche Zeit. Außerdem werde ich mir eine Papier(!)-Karte von den Northlands kaufen, da es dort doch ein paar mehr Straßen als hier auf der Südinsel gibt und ich dort noch nie war, während ich hier vieles schon vorher gefahren bin.
Unter dem Link http://www.metservice.co.nz/default/index.php?alias=irsatelliteseries kann man übrigens gut die Folge der Satellitenbilder sehen und erkennen, wie die Tiefdruckgebiete ziehen. Die drehen sich hier ja im Uhrzeigersinn, da muss man zunächst umdenken. Für morgen ist aber freundliches Wetter mit westlichen Winden angesagt. Wie schön, dass ich nach Osten fahre .-).

Nelson – 28.02.2009

Heute morgen war die Welt noch in Ordnung (keine Angst, soviel schlimmer wurde es im Laufe des Tages auch nicht mehr).
Der dichten Bewölkung habe ich keine große Beachtung geschenkt, die würde sich hoffentlich bald auflösen. Nach meiner Übernachtung-de-luxe fing es aber wenige Minuten vor der Abfahrt an zu regnen. Immerhin konnte ich so direkt Regenklamotten anziehen. Der Hotel-Manager machte mir auf Grund des Wetterberichtes auch keine großen Hoffbungen auf Besserung. Immerhin sollten es heute nur 90 km werden mit Abstieg von 700 m auf Meereshöhe. Zunächst aber gegen den Wind die 100 m hoch, die ich gestern abend so erleichtert runtergerollt bin. Anschließend konnte ich es 15 km mal mehr mal weniger runter rollen lassen. Dass die abzweigende Straße Kerr Hill Road heißt, sollte mich stutzig machen. Und es ging auf 3 km auch wieder genauso weit hoch wie ich vorher gewesen bin. Dann wieder 12 km runter rollen, wieder einige km hoch und von jetzt an ging ea entweder runter oder im letzten flachen Stück mit Rückenwind bis nach Nelson hinein. So war es mit 90 km und 510 hm in 3:46 h die leichteste Etappe der Tour. Schade, dass das Wetter mal wieder nicht mitgespielt hat. Aber es war deutlich zu spüren, dass der Regen in der Ebene wärmer als in den Bergen war.
Und wenn Campeon, der alte Spanier, nicht noch ganz viele Rad-km nachträgt, dürfte ich die Monatswertung Rad im Trainingsmanager mit 1600 km wohl gewonnen haben :-).
Direkt 500 m vor der Jugendherberge habe ich mir noch was in den Vorderreifen gefahren. 2 Platten in weniger als 160 km. Von der Seite habe ich zum Nopogobiker bereits aufgeschlossen. Der Rest dieser Tour hätte für ihn dagegen vermutlich Kaffeefahrt-Charakter besessen.
Nelson ist mit 40.000 Einwohnern mal wieder eine richtige Stadt. Richtig Einkaufszone, alle Arten von Geschäften und so. Bin schon durchflaniert (der Regen wurde etwas schwächer), habe mir Ersatzschläuche (2 für 10 NZD) besorgt und den einen noch geflickt. Der von gestern hat sich wie erwartet als glatter Durchschlag auf der Innenseite erwiesen. Außerdem eine Maschine voll Wäsche gemacht, dabei konnte auch das Regenzeug mit rein und alles danach in den Trockner.
Zum Essen hatte ich mir einen Italiener aus dem Lonely Planet rausgesucht, der war auch um 5 Uhr geöffnet. Um 7 Uhr leider nicht mehr. Also rein in den Supermarkt, 2 große Flaschen Steinlager besorgt, weiter zum Pizza-Hut und eine große Pizza eingesackt. Jetzt bin ich angenehm satt und vom ersten Bier schon ein bisschen angedüdelt. Versuche ich es morgen halt noch mal beim Italiener.
Die Schaltung spinnt auch odentlich rum. Ist zwar alles Shimano XT und nicht die billigste Ausführung, aber man muss doch mittlerweile vielfach fast 2 Gänge runterschalten, damit auch tatsächlich einer schaltet. Zu Hause hat es noch perfekt funktioniert. Irgendwann wird es bei mir nochmal das ultimative (Reise-)Rad mit Rohloff-Schaltung werden. Der nagelneue Tubus-Gepäckträger sieht auch schon abgescheuert aus wie die Sau. Aber es soll ja nur noch 1100 km ohne nennenswerte Pflege mitmachen.
Für morgen hoffe ich auf brauchbares Wetter, um mir die Stadt und den Strand angucken zu können. Übermorgen sind es dann um die 115 km nach Picton, wo ich um 18 Uhr mit der Fähre nach Wellington übersetzen werde.
Fotos sind heute wegen des Wetters auch kaum dazu gekommen. Ich dachte nur in einem Moment, dass es hier viele japanische und kaum deutsche Autos gibt und ich zwar ein paar BMW aber noch keinen einzigen Mercedes gesehen habe. Und schon steht direkt vor mir dieses Luden-Prachtexemplar eines 600ers mit goldenen Typenschildern.
Morgen zum Frühstück gibt es wohl frisches Baguette. Habe ich vorhin im Supermarkt gesehen und da der morgen auch geöffnet hat, gehe ich vorm Frühstück schon sowas wie „Brötchen holen“. Den Drücktest gegen das labberige Toastbrot hatte das Baguette zumindest haushoch gewonnen.

St Arnaud – 27.02.2009

Heute sollte keiner der gewöhnlichen Tage in diesem Urlaub werden. Ok, das Frühstück mit Toast, Nutella, Honig und Pfefferminztee war noch wie immer. Allerdings durch eine Orange und Joghurt aufgewertet.
Das Wetter war bedeckt, aber morgens hängt die Suppe gerne mal etwas tiefer in den Tälern.
Um 10 Uhr machte das Visitor Centre auf, da wollte ich noch fragen, ob es was zu beachten gäbe für die Rainbow Road. Gab aber nichts und so war ich um 10:20 Uhr auf dem Weg. Erster km noch asphaltiert im Ort, dann der Rechtsabbieger zum Jacks Pass hinauf. 100 m weiter hörte der Asphalt auch auf (siehe Foto). Es ging dann in die Wolken rein und ich wurde zum Kleinblattfahrer. 500 Höhenmeter auf den folgenden 6 km, der Schnitt war oben auf irgendwas bei 9komma km/h gesunken. Man hätte das auch lieber Jacks Ass nennen können. Oben (870 m) stellt sich die Frage, wie weit es denn wieder runter geht ins Tal des Clarence River. 100 m, 500 m, wieviel von den hart erkämpften Höhenmetern darf ich behalten, bevor es zum Island Saddle (1347 m) hoch geht. Zur Sicherheit mache ich bei der Abfahrt im Nebel erstmal Licht an. Die geht 3 km lang gemütlich, aber – zum Glück – nur 70 m abwärts.
Jetzt bin ich im Tal des Clarence River und der Schotter ist noch sehr angenehm, was sich aber noch ändern sollte. Nach 10 km habe ich fast unmerklich weitere 100 m Höhe gewonnen. Hinter der St James Station wird der Schotter rauher, am schlimmsten sind die Ausfahrungen zur Waschbrettpiste. Da fährt es sich besser im tieferen Schotter daneben. Da ich mich im Grunde genommen auf einer Kuhweide befinde, stehen immer wieder ein paar von den Viechern um mich herum. Die direkt neben der Straße nehmen noch Notiz von mir, wenn mal eine auf der Straße steht, verzieht sie sich, den anderen bin ich komplett egal. Dennoch habe ich auf Grund des Gewichtsunterschiedes Respekt vor den Viechern wie Halmich vor Klitschko. Unterwegs verliere ich dann meine 1,5-Liter-Zusatz-Wasserflasche ohne es zu merken, so dass ich mit den 1,5 Litern in den Radflaschen auskommen muss. Meinen Packsack darf ich nach einer Abfahrt auch wieder aufsammeln, es schüttelt mich ganz gut durch. Die Landschaft ist bis hierhin wieder von sehr kahlen Bergen mit dem breiten Tal des Clarence River geprägt.
So geht es ohne größere Anstiege bis zum Lake Tennyson, danach beginnt der Anstieg der letzten knapp 300 m bis zum Island Saddle. Einmal verliere ich den Grip und muss absteigen. Das bedeutet Schieben bis zum nächsten etwas flacheren Abschnitt. Wiederaufsteigen funktioniert bei der Steilheit nicht mehr. Irgendwann bin ich aber endlich oben.
Von nun an geht es runter. Zunächst ganz ordentlich. Ich stehe gut auf der Bremse, damit es mich nicht in irgendeinem Loch zerreißt. Man kann das auch riechen. Irgendwann lasse ich doch etwa mehr laufen, bis der direkte Bodenkontakt des Vorderrads mir einen Platten signalisiert. Zum Glück komme ich heil zum Stehen und habe auch 2 Ersatzschläuche dabei, was mir für die weitere Fahrt ein besseres Gefühl lässt. Immerhin liegen noch 60 km unbewohntes Land vor mir. Also zügig geflickt und weiter geht es. Am nächsten Gate treffe ich ein holländisches Paar, die gerade den Reifen an ihrem 4WD-Wagen wechseln. Am Wairau River entlang ist das Tal nicht so breit, deshalb geht es immer wieder hoch und runter. Es ist aber die landschaftlich schönere Hälfte der Tour, der dichte Wald nimmt wieder zu, der Fluss schlängelt sich zwischen den enger stehenden und wieder bewachsenen Bergen. Während ich bis zum Island Saddle Rückenwind hatte, bläst er mir danach immer mehr ins Gesicht. Die von der Seite einlaufenden Creeks sind immer seltener überbrückt, sondern wollen durchwatet werden. Sind aber nur 20 – 25 cm tief. Auf meinen Tacho brauche ich heute nichts zu geben, da ich die meiste Zeit unter den Hochspannungsleitungen fahre, aber nach 76 km kommt der Punkt, an dem ich für den Spaß bezahlen muss. 5 NZD kostet mich die Durchfahrt über die Rainbow Station. Danach folgen weiter 10 km Schotter, die immer wieder hoch und runter gehen. Ab der Abzweigung zur Rainbow Ski Area ist dann asphaltiert. Diese 14 km sind aber auch relativ neu, das offizielle PDF vom DoC aus dem Internet kannte das noch nicht. War mir aber ganz recht. Allerdings ging es am Ende noch ganz gut aufwärts. Bis es die letzten 4 km nach St Arnaud reinrollte. Im Ort bin ich zunächst in den Tante-Emma-Laden inkl. Tankstelle und Fish&Chips-Takeawy um zu fragen, wie lange noch offen sei. Bis 20 Uhr, aber es war mittlerweile auch schon kurz nach 19 Uhr. Die Etappe war mit 7:20 h reiner Fahrtzeit die bisher längste (wird sie vermutlich auch bis zum Ende bleiben) und mit den meisten Höhenmetern(1740).
Gestern abend hatte ich an die Alpin Lodge noch eine Email-Anfrage zwecks Backpacker-Unterkunft gestellt, aber keine Antwort erhalten. Es war dann auch alles ausgebucht gewesen. Stattdessen könnte ich ein Hotelzimmer haben. 150 NZD statt der normalen 165 NZD. Das habe ich auch genommen, da ich eh keine Wahl hatte. Bei dem momentanen Ausverkaufs-Wechselkurs von 0,40 Euro/NZD sind das auch gerade mal 60 Euro. Zwar 5-6mal so viel wie ansonsten meist, aber locker bezahlbar. Im Lonely Planet steht dann auch zu dem Hotel „There is a range of accomodation, the pick of which are the split-level doubles with mezzazine bedroom, spa and pine panelling aplenty“. Genau so eine Suite habe ich bekommen, deshalb auch davon Bilder. Nach dem schnellen Duschen rüber in den Store und eigentlich heißt es ja, man sollte niemals hungrig einkaufen gehen. Über den Tag hatte ich ja immerhin wieder 5 Müsliriegel gegessen, jeder mit gigantischen 133 kal. Ich hatte also keine Alternative! Raus kam ich mit Cola, Mars, Butterkeksen, Cashew-Kernen, um direkt nach nebenan zu gehen und Fish&Chips zu holen. Ist bestimmt gut, um den Salzverlust auszugleichen ;-).
Jetzt lümmel ich mich hier in aller Ruhe auf einem der beiden Sofas, schreibe diesen Beitrag und müsste eigentlich gleich noch die Badewanne mit Whirlpool ausnutzen, auch wenn es schon 22 Uhr ist.
Für morgen stehen die 89 km nach Nelson an. Da ich hier auf fast 700 m Höhe bin und Nelson am Meer liegt, geht es tendenziell schön runter. Allerdings muss ich die heutigen letzten 4 km zuerst wieder hochfahren (gut 100 hm). In Nelson mache ich dann einen Pausentag, bevor es am Montag nach Picton und abends mit der Fähre nach Wellington geht. Das wäre dann schon die Südinsel gewesen …
P.S. Das mit dem Whirlpool muss leider ausfallen, da irgendein Sackgesicht den Stöpsel der Badewanne hat mitgehen lassen :-(.

Hanmer Springs – 26.02.2009

Der Tag fängt bewölkt an, als ich in meinem Einzelzimmer-Riesenschlafsaal gegen 8:30 aufwache. Es gibt wieder Standardfrühstück (Toast, Nutella, Honig, Pfefferminztee). Da ich keinen Küchenanhänger durchs Land ziehen will, bleibt die Abwechslung auf der Strecke. Außerdem freue ich mich jetzt schon wieder auf richtiges Brot. Um kurz nach zehn mache ich mich auf den Weg. Es stehen 140 km nach Hanmer Springs auf dem Plan. Das ist auch eine unverkürzbare Etappe, denn auf dem Weg liegen eine Tankstelle nach 45 km, ein Motel mit warmen Quellen nach 60 km (machte aber einen teuren Eindruck) und ansonsten NICHTS. Also schleppe ich heute 3 Liter Wasser mit mir herum.
Die ersten 37 km geht es bergan, zuerst kaum merkbar, am Ende aber halbwegs knackig, bis ich auf dem Rahu-Saddle in knapp 700 m Höhe bin. Dabei fließt der Inangahua River immer neben mir. Er wird immer schmaler und kleiner, kurz bevor ich oben bin, ist er weg. Es folgt eine nette 7 km lange Abfahrt zur Springs Junction. Von dort aus geht es erst gemächlich am nächsten Fluss entlang, die letzten 5 km bis zum Lewis Pass (ca. 900 m) werden wieder recht anstrengend. Auch nach dem Lewis Pass dominiert noch die üppige Westküsten-Vegetation. Erst später prägen die kahleren Berge des Ostens wieder das Bild der Landschaft. Entlang des Lewis River geht es hinunter, der oben auf 18kommairgendwas abgesackte Schnitt durchbricht wieder die 20er-Marke. Später heißt er dann Waiau River, leider sind seine Schluchten zu eng für Fluss und Straße, also weicht die Straße über die umliegenden Hügel aus. So sollen es am Ende über 1700 Höhenmeter werden. Bis zum Rahu Saddle hatte es sogar ein paar Tropfen geregnet, auf dem Weg nach Hanmer Springs wird es aber immer schöner und sonniger. Wie an allen Tagen ist der Wind recht schwach und kommt leicht von hinten. Das ist für NZ eher ungewöhnlich. 2 km vor dem Ziel werde ich noch amtlich aufgehalten. Da die letzten 9 km nach Hanmer Springs eine Sackgasse sind, kann man hier gut eine Touristenbefragung vornehmen. Ich bin für heute der erste Radfahrer. Aber es liegt eigentlich auch nur auf irgendeiner Radfahrer-Route, wenn man die Rainbow oder die Molesworth Road fährt. Für alle normalen, die nicht 140 km fahren, bietet es sich nicht an, da die Übernachtungsmöglichkeiten fehlen.
Einmal wollte ich auf einem Rastplatz an der Strecke Pause machen, aber da sind gleich die Sandflies angekommen, also nichts wie weiter.
Bis auf den Island Saddle, der morgen kommt und mit 1347 m auch der höchste ist, müsste ich jetzt alle wichtigeren Pässe der Alpen gefahren sein.
Hier bin ich in der Jugendherberge eingekehrt, 3-Bett-Zimmer mit vernünftigen Betten. Zunächst ging es einkaufen. Es gab frische Erdbeeren (die im deutschen Sommer sind aber leckerer). Nach dem Duschen wurde ordentlich gefuttert, nachdem die Tagesernährung wieder bei 2 Bananen und 4 Müsliriegeln lag.
Die Wettervorhersage für morgen ist ganz gut. Trocken und wenig Wind mit moderaten Temperaturen. So kann das Unternehmen Rainbow Road angegangen werden. Werde morgen noch in der Tourist Info vorbeigehen umd fragen, ob irgendwas dafür zu beachten ist (ab-/zurückmelden etc.). Dann geht es von hier (385 m hoch) über den Jacks Pass (869 m) ins Tal des Clarence River. Den ganz hoch, über den Island Saddle (1347 m) und den Wairau River wieder runter. Zuerst 100 km Schotter und dann 12 km Asphalt. Das wird zur staubigen Materialprobe werden.
Ein paar neue Bilder von heute gibt es auch.

Reefton – 25.02.2009

Heute ist der erste Tag, an dem man morgens aufsteht und direkt eine kurze Hose anziehen kann. Angenehm warm, dazu blauer Himmel mit ein paar Wolken, die aber keinen Regen androhen.
Nach der etwas zügigeren Tour von gestern verspüre ich einen leichten Muskelkater in den Waden. Da ich mich gestern noch länger mit einer Schweizerin unterhalten habe und in Franz-Josef auch schon früh aufgestanden bin, wird es mit der Abfahrt heute etwas später, erst um 11 Uhr mache ich mich auf den Weg. Die Etappe ist gemessen an den vorherigen Tagen unspektakulär bis langweilig. Zuerst geht es 40 km flach an der Küste entlang bis Greymouth. Anschließend folge ich dem Grey River durch sein erst schmales und nachher sehr breite Tal. Diese Landschaft könnte auch irgendwo in Deutschland sein, wären nicht vereinzelt noch Palmen und große Farne zu sehen. Der Wind kommt leicht von hinten, bis auf vereinzelte km hatte ich hier noch keinen fiesen Gegenwindtag, und so komme ich trotz moderater Anstrengung mit 23 km/h vorwärts. 10 km vor Reefton will ich eigentlich nochmals kurz anhalten und den Hintern lüften, bevor es über die letzte Kuppe, den Reefton Saddle, geht. Just in dem Moment kommt von hinten ein Rennradfahrer aufgefahren, wir kommen ins Gespräch und die Pause fällt aus. Dafür waren es kurzweilige 10 km und nach 120 km bin ich am Ziel. Das heutige Rasieren eines 12-Tage-Barts mit dem Nassrasierer wird zur echten Herausforderung, aber einem einheimischen Schafscherer wollte ich mich auch nicht anvertrauen.
Im heutigen Backpacker bin ich im „Dorm“, das sind die Vielbettzimmer, einquartiert. Das ist hier ein Nebengebäude mit etwa 60 Quadratmetern, in dem 5 ältere Schlafsofas stehen. Da ich jetzt um halb zehn immer noch alleine bin, gehe ich davon aus, den Einzelzimmerstatus zu behalten. Ich muss auch mal wieder meinen eigenen Schlafsack benutzen und stelle beim Öffnen des Rollverschlusses des Ortlieb-Packsackes fest, dass ein kleiner Teil des Regens vom Sonntag einen Weg da rein gefunden hat. Zum Glück nicht viel und da draußen noch die Sonne scheint, wird das schnell getrocknet.
Der Wetterbericht sieht für übermorgen nicht so schlecht aus, also habe ich das Bett in Hanmer Springs für morgen gebucht und will wie ursprünglich geplant die Rainbow Road fahren. Der Rennradfahrer von vorhin sagte mir auch, dass der Schotter an den allermeisten Stellen recht gut fahrbar sei.
Zu fotografieren gab es heute herzlich wenig, daher lade ich keine neuen Bilder hoch. Morgen sollte es wieder ein „Passfoto“ vom Lewis Pass geben.

Hokitika – 24.02.2009

Als ich heute morgen aufgewacht bin, habe ich ein tolles Geräusch gehört: Nämlich KEIN Geräusch, keine prasselnder Regen. Außerdem war der Himmel blau, kein Wölkchen zu sehen.
Damit ich rechtzeitig vor dem Bus in Hokitika bin und den Brustgurt meines Pulsmessers in Empfang nehmen kann, bin ich extra früher aufgestanden und war um halb neun schon auf dem Rad. Etwas frisch war es noch und ein paar Wölkchen und Nebel hingen über den Feuchtgebieten.
Die Etappe war recht einfach, nach 50 km gab es einen knapp 200 m hohen Hügel, der Rest waren abwechslungsreiche Asphaltblasen, die mir besser als ewige Flachstrecken gefallen. In den ersten beiden Stunden sind es 50 km geworden, dann ist der Schnitt auf 24 km/h gefallen und dort geblieben. Vermutlich war es besser, den Pulsmesser nicht gehabt zu haben.
Hier bin ich jetzt im „Drifting Sands“ untergekommen. Etwas am Ortsrand und direkt am Strand gelegen. Dafür schön ruhig, das Riesen-Backpacker im Ortszentrum hatte mich sofort abgeschreckt.
Nach dem Duschen bin ich zum Info-Center, um auf den Bus mit meinem Brustgurt zu warten. Nebenbei habe ich im Internet nach einem einfachen Texteditor fürs Handy gesucht und bin auch fündig geworden. Meik hatte mir die Datei dankenswerterweise angepasst, aber dann musste ich feststellen, dass ich Anhänge von Emails zwar ansehen, aber nicht speichern kann. Schwaches Handy. Ab sofort wird euch unter den Bildern aber das Datum und die Bildnummer angezeigt. Zurück zur Bushaltestelle: Habe da bis 25 Minuten nach der geplanten Ankunft gewartet und dann mal die Damen vom Info-Center gefragt, wie es denn mit der Pünktlichkeit dieses Busses bestellt ist. Die ruft also bei der Buslinie an und da ist nichts für mich an Bord gekommen. Als nächstes ruft sie bei dem Hostel in Haast an und da liegt der Brustgurt immer noch herum. Ich hab’s mir gespart, in Erfahrung zu bringen, warum das so ist. Ende vom Lied ist, dass ich dem meine Kreditkartennummer gegeben hat und er es mit der Post an die Jugendherberge nach Wellington schickt. Dort bin ich in einer Woche, ich hoffe mal, dass es reicht.
Am Strand habe ich dann noch so einen Turm aus flachen Steinen übereinandergeschichtet wie vorgestern bei den Fantail Falls. Abends gab es dann noch einen schönen Sonnenuntergang über der Tasman Sea zu fotografieren. Nachdem ich euch gestern mit Gletscherfotos zugeschüttet habe, sind es heute die vom Sonnenuntergang. Dazwischen noch einige von schneebedeckten Bergen. Die Schneefallgrenze dürfte in den letzten Tagen einiges gesunken sein.
Soweit für heute, ich gehe jetzt mal ins Bett ..

Franz-Josef-Glacier – 23.02.2009

Ich bin zwar tagsüber nicht nass geworden aber für heute kann ich fast null km Radfahren vermelden. Es hat die ganze Nacht durchgepisst und den Tag über weiter. Also habe ich morgens den Hostel-Betreiber gefragt, ob ein Bus in Richtung Franz-Josef-Glacier fährt. Der ging dann um 11 Uhr. Der Busfahrer sagte allerdings, „you are a lucky man“, denn er hatte keine gebuchten Zusteigepassagiere und wäre vorbeigefahren, wenn nicht zufällig jemand in Haast (where the time stands still) hätte aussteigen wollen. So bin ich inkl. Mittagspause 3,5 h mit dem Bus durch den Dauerregen gefahren. Die Bäche und Flüsse, die wir überquert haben, waren schon recht reißend geworden durch den tagelangen Regen.
Hier bin ich mal wieder in der Jugendherberge, die ziemlich groß ist. Außerdem volles Rohr auf der japanese standard travel route. Die Gletscher sind ein Muss in der Kürze von deren Zeit. Die sind übrigens auch die einzigen, die mit Hartschalen-Rollkoffern unterwegs sind.
Im mixed room bin ich heute der einzige Kerl mit drei Mädels, die vom Alter eher meine Töchter sein könnten. Aber den Knopf für die Heizung haben sie schon gefunden. Werde vermutlich beim Zubettgehen das Fenster aufreißen müssen. Das ist natürlich mit einem Fliegengitter versehen, denn wir sind hier mittlerweile in der Hochburg der Sandflies angekommen, wie ich heute morgen beim Warten auf den Bus schmerzlich feststellen musste. Da haben zwei von den Freunden ihren letzten Stich gesetzt, bevor sie zu Flatflies wurden. Danach hatte ich sofort das Repellant rausgeholt und eine Runde gesprüht.
Am späteren Nachmittag bin ich noch zum Gletscher rausgefahren. Sind etwa 4 – 5 km über einen Matschweg. Von da habe ich dann einen ca. Zweistündigen Track gemacht, auf dem irgendwann auch ein Schild mit danger, experienced etc. stand. Trotz aller Schwierigkeiten war an keiner einzigen Stelle ein Shimano-SPD-Cleat eingelassen, wo ich hätte einklicken können ;-). Beim ersten zu überquerenden Bach habe ich mir noch Schuhe und Socken ausgezogen, danach bin ich einfach durchgelatscht, da eh alles halbwegs nass war. Ich war dann auch kurz davor, den Gletscherfluss zu durchqueren, weil der Weg zum Ausgangspunkt so viel kürzer gewesen wäre und ich außerdem eine bessere Frontalsicht auf den Gletscher gekriegt hätte. Letzten Endes war mir aber doch zu viel Strömung drin und ich habe mich den Warnschildern gefügt. Zurück am Ausgangspunkt habe ich dann den anderen Weg entdeckt, bei dem man nach 5 Minuten Fußweg die gewünschte Frontalansicht hatte, wenn auch etwas weiter weg. War aber dennoch auch eine schöne Wanderung. Und bei den Bildern gibt es heute ganze viele,Gletscher- und Regenwaldbilder zu sehen.
Heute abend dann das gleiche Erlebnis wie 1995 in Fox-Glacier (23 km entfernt): Die Wolken reißen auf und die Sonne zeigt sich nochmals kurz. Vielleicht wird es ja morgen endlich mal wieder ein schöner Tag. Morgen wird aber auf jeden Fall bis Hokitika geradelt, sind gute 130 km. Will aber zeitig los, um die Ankunft des Busses zu erwischen, der um 16:50 dort ist. Heute morgen habe ich nämlich meinen Brustgurt vom Pulsmesser liegen gelassen, aber schon mit dem Hostel gemailt, dass er ihn dem Busfahrer mitgibt und der ihn in Hokitika mir gibt oder ihn an der Tourist Info abgibt, wo er eh hält. Dementsprechend wird es für morgen keinen Durchschnittspuls geben, oder sagen wir einfach wieder 120?!
Um die Fotos noch etwas übersichtlicher zu gestalten, werde ich Meik (Achtung, das ist eine Vorwarnung!) noch die index.php zuschicken, damit er eine kleine Änderung dran vornimmt. Einen puren Texteditor hat mein Handynämlich nicht. Im Dateinamen enthalten die Bilder alle am Anfang das Datum und dann eine fortlaufende 3stellige Nummer, könnt ihr euch unter den Bildeigenschaften anzeigen lassen, um es besser einzusortieren. Das soll dann automatisch ausgegeben werden.
Kann jemand mal nach einem Freeware-Texteditor googlen und mir den Dowload-Link an thorsten.moeller@wechselzone schicken? Ich ahnte ja nicht, dass ich hier noch „programmieren“ muss.