Scheißwetter! Es ist kühl und regnet in Strömen.
Heute nacht habe ich es noch piepsen gehört, dass eine SMS angekommen ist: Jürgen und Anja haben meinen Hilferuf erhört und mir meine verlorenen Dateien hochgeladen.
Ich habe ja die Alternative bei der heutigen Etappe: 60 km flach fahren und schwuppdiwupp bin ich ohne große Anstrengung in Wanaka. Oder eben die 94 km über die Cardrona Range Road. Irgendwie klar, dass ich die zweite Alternative nehme, wobei ich mich noch einige male darüber ärgern sollte. Die hat dann auch nur 1235 Höhenmeter, die eigentlich tollen Aussichten verschwinden in den Regenwolken. Saukalt wird es da oben auch noch. Dazu fegt der Wind in etlichen der Serpentinen von vorne ins Gesicht. Auch wenn ich mich vor dem Urlaub noch geärgert hatte, dass die Strecke mittlerweile asphaltiert ist – bei dem Wetter wäre die mit Schotter zur Hölle geworden. Im vorletzten Gang – vorne 22, hinten 19 – quäle ich mich hoch. Ab dem höchsten Punkt (ca. 1200 m) kann man die nächsten ca. 10 km laufen lassen, wovon einem aber auch nicht wärmer wird. 20 km vor Wanaka krame ich die dreckigen aber trockenen Radklamotten raus und ziehe mich um. Insbesondere die trockenen Socken bringen Besserung, auch wenn sie auch nur noch etwas Feuchtigkeit aus dem Schuh absorbieren. In Wanaka ist es dann zumindest trocken, wenn auch wolkig und nicht mehr so kalt. Lange Hose und T-Shirt reichen aus. Auf den ersten 40 km bin ich auch noch an der alten Kawarau Bridge vorbeigekommen, wo AJ Hackett sein Bunjee-Springen von der Brücke macht. Habe ich 1998 auch gemacht. Heute bei dem Wetter war aber wenig los.
In Cromwell hätte übrigens auch Pleasantville gedreht werden können. So niedlich gepflegte Vorgärten, Tennisplatz, Parks etc. Dabei ist das alte Zentrum von Cromwell ja 1992 geflutet worden, als der Clyde Dam ein paar km flussabwärts fertig wurde. Ein paar historische Gebäude wurden damals abgebaut und weiter oben wieder aufgebaut. Und die gute Frau an der Tourist Information war regelrecht entsetzt, als ich nach einem Backpackers fragte. „Budget Accomodation“ gäbe es, aber kein Backpackers.
Hier in Wanaka bin ich wieder in der Jugendherberge und werde morgen einen Ruhetag dranhängen, bevor es an die West Coast geht. Ist ein wirklich süßes Städtchen, der See und die Umgebung laden zu einem Challenge ein.
Ich stelle aber die ganze Zeit schon fest, dass die Erinnerungen nach 11 Jahren ziemlich verblasst sind. Richtig wiedererkennen tue ich nur weniges.
Guckt doch mal in die Fotos: Claustaler auch hier im Supermarkt und die Kiwis sind „Product of Italy“.
Archiv des Monats: Februar 2009
Cromwell – 19.02.2009
Dank eines vernüntig harten Betts habe ich in der Cabin gut geschlafen. Morgens war es dann aber wolkenverhangen. Zum Frühstück einen Liter Orangensaft und eine Packung Butterkekse. Die Campingplätze haben zwar auch Küchen, aber die sind im Gegensatz zu Backpackers und Jugendherbergen immer ohne jedes Geschirr und Besteck. Gestern abend habe ich noch Lammkoteletts gegessen, die aber auch nur mittelmäßig waren. Nur hat man in einem 360-Seelen-Nest auch keine Riesenauswahl.
Die Etappe beginnt mit einem 32 km langen Anstieg zum Lindis Pass. Klingt hart, ist es aber nicht. Die ersten 25 geht es kaum merklich hoch, erst die letzten 2 km lassen den Puls mal gut ansteigen. Die Landschaft ist immer Steppe zwischen buschbewachsenen Bergen. Nach 15 – 20 km lösen sich die Wolken auch auf und den Rest des habe ich strahlenden Sonnenschein und es wird knackig warm. Auf der Abfahrt nach dem Pass geht schon mal auf 75 km/h. Näher wollte ich dem Laster vor mir aber nicht kommen, also etwa abgebremst. Bis 68 km geht es immer leicht runter oder eben, bergauf maximal mal eine oder zwei Deichhöhen. Dann kommt noch ein giftiger Hügel mit gut 100 Höhenmetern hinter dem es runter rollt bis zum Lake Dunkstan. Am Seeufer entlang führt es die letzen 20 km nach Cromwell. Hier bin ich in einem Einzelzimmer auf dem Campingplatz untergekommen.
Während es die letzten Tage eher wenig Wind gab und der meist aus Nordost kam (Rückenwind), hat es nach meiner Ankunft hier auf Süd bis Südost gedreht und ordentlich aufgefrischt. Nach den Schaumkronen auf dem Fluss ist es Windstärke 5 – 6. Die Richtung passt aber, denn ich habe den südlichsten Punkt der Reise erreicht, ab morgen geht es die nächsten 1000 km der Südinsel tendenziell nach Norden.
Für alle Zahlenfreaks (mich eingeschlossen): 112 km, 4:55 h, 860 hm, 23 km/h, Puls 117.
Morgen geht es über Arrowtown und die Cardrona Range nach Wanaka, dort werde ich 2 Nächte bleiben, bevor es an die Westküste geht. Drückt mir dort die Daumen für untypisches Wetter (normal ist dort Regen). Aber ich freu mich nach 3 Tagen durch die Steppe auf andere Landschaft.
Anja + Jürgen: Dringender Hilferuf – Datenverlust!!!
Was habe ich doch für ein tolles Handy mit GPS, Internet, Email, Office usw. Deswegen habe ich auch fast nichts in Papierform dabei sondern alles schön als PDF auf der supergeilen 8 Gigabyte Speicherkarte. Und die ist heute kaputt gegangen :-(. Und ich habe nicht dran gedacht, mir eine Kopie auf meinen Webspace zu laden, weil mir noch nie was kaputt gegangen ist.
Anja und Jürgen,
könnt ihr bitte mal an mein Notebook gehen und mir die Dateien zugänglich machen.
In der Office-Shortcut-Leiste am rechten Rand ist ziemlich weit unten ein Programm „WS-FTP“. Das starten und beim aufgehenden Dialogfenster die bereits ausgewählte Verbindung bestätigen. In den beiden Listen kann man dann mit Doppelklick in die Verzeichnisse reingehen, „..“ geht ein Verzeichnis nach oben. Links ist mein PC, die Dateien, die ich brauche, sind unter D:\Daten\Reise. Rechts ist der Server im Internet, dort bis zum obersten Verzeichnis wechseln und dann in „blogpic.wechselzone.de“ wechseln. Mit den Buttons zwischen den beiden Listen werden die markierten Dateien in die jeweilige Richtung übertragen. Ich brauche alle Dateien außer den evtl. noch vorhandenen großen PDF-Dateien, die größer als 4 Megabyte sind. Die kann ich mir dann von hier aus wieder runterladen.
Da sind halt auch alle meine Flug- und Fährverbindungen, Landkarten etc. drauf.
Ich hoffe, das halbwegs verständlich erklärt zu haben. Wäre super, wenn ihr das hinbekommt.
Danke schon mal!
Omarama – 18.02.2009
Goooood morninnnng Deuuu…tschlannd!!!
Welch ein herrlicher Tag am anderen Ende der Welt. Dabei fing er gar nicht so klasse an. Das Bett im Hotel war recht weich, doch Müdigkeit hilft dagegen recht gut. Außerdem hatte es nachts etwas geregnet und alles hing in dichten grauen Wolken.
Die heutige Route ging über den Burke’s Pass, Lake Tekapo, Lake Pukaki, Twizel nach Omarama. Für die nüchternen Zahlen: 135 km in 6:08, 22 km/h, 1015 hm, Puls 117.
Bis zum Pass war es wolkig, schöne Landschaft, aber weit gucken konnte man nicht. Es geht erst kontinuierlich mit 1% aufwärts, nur das letzte Stück ist etwas steiler, aber mit 32/17 noch fahrbar. Danach ist man endgültig im MacKenzie-Country, eine riesige Hochebene auf ca. 700 m Höhe. Ab hier hatte ich auch wieder Traumwetter. Die beiden türkisblauen Seen auf den Bildern sind erst Tekapo (mit der kleinen Kirche) und dann Pukaki (mit Mt. Cook, den ich wie immer im Sonnenschein passiert habe). Zwischen den ganzen Seen verlaufen Kanäle und jedes Wasser, das runterfließen will, muss erst mal etwas Strom produzieren. Man kann auch am Kanal entlang fahren, aber die Ebene in den Canterbury Plains war langweilig genug (Podersdorf dürfte echt hart werden). In Tekapo wurde auch gerade eine Schafherde über die Straße getrieben, ich stand beinahe mittendrin.
In Twizel gab es dann eine Kaffeepause, bevor ich nach Omarama weitergefahren bin. Hier bin ich auf dem gleichen Campingplatz wie vor 11 Jahren, aber diesmal Cabin (Hütte) statt Zelt.
Ich habe euch auch wieder ein paar Bilder zum neidisch machen hochgeladen (vom Burke’s Pass bis zu meiner heutigen Cabin).
Morgen geht es über den Lindis Pass nach Cromwell. Erst 30 km hoch für 600 hm, dann auf der anderen Seite genauso wieder runter.
Fotos
Habe unter http://blogpic.wechselzone.de ein paar Bilder hochgeladen.
Fairlie – 17.02.2009
Heute war das Wetter wieder traumhaft. Strahlend blauer Himmel und leichter Rückenwind. Die so nahen Alpen, von denen gestern nichts zu erahnen war, sehen klasse aus. Die ersten 70 km gehen ganz leicht bergab (ca. 200 Höhenmeter insgesamt runter) durch die Canterbury Plains. Stinklangweilig. In Geraldine biege ich rechts ab und es wird wellig bis hügelieg. Der Puls steigt auch mal an und auf Abfahrten erreicht man endlich mal Geschwindigkeiten über 65 km/h.In Fairlie steige ich in einem kleinen Hotel ab. Heute waren es 117 km wieder in 5:06 mit 685 Höhenmetern. Ich freu mich schon auf den Burke’s Pass morgen. Hinter dem tauchen beim Hochfahren plötzlich die schneebedeckten 3000er auf.
Methven – 16.2.2009
Erst mal Danke! an Carsten, der die ersten Beiträge für mich eingestellt hat. Ich hatte sie offline geschrieben und musste dann feststellen, dass dieser f***ing Browser im Handy nichts von der Zwischenablage weiß. Also die Dokumente per Email an Carsten geschickt.
Heute ging es über Darfield und die Rakaia Gorge nach Methven. Das Wetter war richtig übel: 12 Grad und viel Regen. Mir war saukalt, ich konnte kaum noch schalten oder die Verschlüsse der Packtaschen zu machen. Dagegen war Roth 2008 kuschelig warm. 106 km in 5:06 mit 935 Höhenmetern. Puls dafür im GA0-Bereich.
Christchurch 15.2.09
Die 5-10 km waren schnell in die Stadt geradelt. Zunächst bei Starbucks einen leckeren Milchkaffee mit zwei Muffins als Frühstück und im Anschluss daran gleich Sonnencreme sowie etwas zum Schutz gegen die lästigen Sandflies besorgt. Hoffentlich hilft es auch!
Den Tag über bin ich einfach herum gebummelt, habe u.a. den Vodafone-Shop gefunden, um morgen eine Sim-Karte zu besorgen. Nachmittags noch nach New Brighton geradelt, insgesamt ca. 20 – 25 km. Sandstrand mit schicken Dünen dahinter. Den Abend werde ich bei indischem Essen (es gibt hier eine ganze Menge indischer Restaurants) noch aushalten, um möglichst reibungslos den 12-Stunden-Jetlag zu überwinden. Sowas muss doch an einem Tag zu schaffen sein.
Flug 13.02.09
Irgendwie habe ich mich wohl so sehr über den kostenlosen Radtransport gefreut, dass ich mich nicht um einen Gangplatz bemüht habe. Also sitze ich hier eingekeilt auf dem Platz 40J, für den Weiterflug nach Auckland ebenfalls J. Die Sitzabstände sind aber ok, ich stoße mit den Knien nicht an.Das erste B-Movie (City of Emper) habe ich mir noch angeguckt, war aber echt schlecht. Die ausgegebenen Kopfhörer sind auch nur Elektroschrott, gut dass ich einen Adapter für das Nokia-Headset eingepackt habe. Ansonsten das Übliche: Essen (yeah – Chicken), Trinken (Tomato Juice, please), Lesen, Schlafen (schon eine Stunde geschafft), Langweilen. Nur noch 4 Stunden bis San Francisco. Den Flug nach Auckland hoffe ich gut schlafen zu können, immerhin wird es durchgehend dunkel sein (19:30 – 5:00 Uhr). Anscheinend muss ich mein Gepäck in SFO aber nochmal abholen und neu aufgeben.In SFO angekommen ist es hier auch nicht viel wärmer als in Deutschland und dazu regnet es noch. Einreisekontrolle zieht sich hin, da noch Fingerabdrücke genommen werden und ein Foto gemacht wird. Dafür kann man hier frei rumlaufen, ich könnte also auch in Amerika bleiben. Will ich auch trotz Obama nicht. Immerhin konnte ich es bis zum Ende durchhalten, während der Amtszeit des Cowboys dieses Land nicht zu betreten.Gepäck musste man einmal entgegegnehmen, um die Ecke laufen und beim nächsten Mitarbeiter wieder abgeben. Sowas schafft auch Arbeitsplätze. Ich drück mich hier noch eine Stunde rum, bis es endlich weitergeht. 3 Uhr morgens deutscher Zeit lässt mich auch müde werden. Bloß nicht einschlafen, bevor man im Flieger sitzt.Aber im Flieger war ich direkt eingeschlafen, bis es nach einer Stunde Essen gab. Anschließend weitere 2 Stunden schlafen, eine Stunde lesen, wieder 3 Stunden schlafen und jetzt tippe ich hier um ein Uhr NZ-Zeit herum. Die Sitzabstände sind bei Air New Zealand noch einiges größer (beides waren 747) und da es ein Nachtflug ist, wird man auch nicht andauernd mit Essen und Getränken überschüttet. Hier hat auch jeder Sitz seinen eigenen Bildschirm und man kann Audio-/Video-Programm a la carte machen.Zum Frühstück – um kurz nach 3 Uhr im wahrsten Sinne des Wortes – gab es dann zur Auswahl entweder Omelett mit Bratwurst oder die frische Variante mit Obstsalat, die mir doch lieber war. Eine Stunde vor der Landung will jeder noch mal schnell auf die Toilette, es leuchtet überall nur „occupied“.Beim Durchlaufen der Sicherheitskontrollen, auch für irgendwelchen Dreck an der Ausrüstung, empfinde ich es hier auch entspannter als im Ami-Land. Wobei man die Frage ob „roadbike or mountainbike?“ nicht mit „cyclocrosser“ beantworten sollte. Erstens wusste der gute Mann damit nichts anzufangen und zweitens war es ihm dann doch zuviel Offroad dabei so dass er es dann doch noch angucken wollte, ob ich Matschklumpen einführen würde.Mit dem 2F-Platz ganz vorne rechts von Auckland nach Christchurch hatte ich dafür perfekte Sicht auf Berge etc. Für die eine Stunde durfte es auch mal der sonst ungeliebte Fensterplatz sein.In Christchurch hätte sich auch jeder mein Gepäck abholen können, die Gepäckbänder sind in einem für jeden zugänglichen Bereich des Flughafens. Das Fahrrad war schnell zusammengebaut, an der Tankstelle bequem den Luftdruck erhöht und auf geht es in Richtung Urlaub.Damit das niemanden erschreckt: Auf dem Flug ist soviel Zeit, die nächsten Einträge werden mit Sicherheit um einiges kürzer ausfallen.
Eingecheckt …
Das Gepäck ist eingecheckt, jetzt gibt es kein zurück mehr. Dank eines freundlichen Lufthansa-Mitarbeiters darf mein Fahrrad kostenlos mitfliegen. Eigentlich wären 200 USD fällig gewesen. Schön, dass es unterschiedliche Wissensstände gibt.
Und jetzt sind 30 Stunden Flug angesagt.
Bis später aus dem Sommer!