31.01.2017 – Christchurch

Ganz tolle Nacht im Viererzimmer der YHA. Ich war kurz vor 22 Uhr hundemüde und ab ins Bett. Das große Deckenlicht habe ich dazu auch ausgemacht. Konnte dann irgendwie trotzdem nicht richtig einschlafen. Irgendwann etliche Zeit später, eher gegen 23 Uhr kommt dann ein Spaßvogel von Mitbewohner rein, macht das Deckenlicht an (an jedem Bett gibt es noch ein kleines Licht), räumt und lärmt ordentlich rum und verschwindet am Ende wieder zum Duschen oder so, ohne das Licht wieder auszumachen. Also stehe ich auf und mache es wieder aus. Irgendwann kommt er zurück – wieder Licht an. Er hat das Bett über meinem. Als er endlich ins Bett geht (Licht macht er jetzt sogar wieder aus), schüttelt er das Etagenbett nochmal kräftig durch. Rücksichtnahme wie ein Autofahrer gegenüber einem Radfahrer. Ein paar mal dreht er sich noch um, vielleicht hat er auch das ganze Haus unter sich gedreht. Dann macht sein Handy noch ein paar besonders laute Töne, die über eine normale Messenger-Benachrichtigung hinausgehen. Irgendwann geht das Abholzen des Waldes über mir los. Jetzt helfen nur noch Ohrstöpsel. Allerdings schaffe ich es auch nicht, das Bett ohne großes Gewackel zu verlassen. Im Laufe der Nacht muss ich noch etliche Male das Bett in Vibrationen versetzen, um das Gesäge kurzzeitig einzudämmen. Zwischendurch hat er noch im Schlaf laut geredet. Leider ist der Knaller morgens schon vor mir wach. Und um 10 Uhr ist er auch verschwunden. Es sollte nächste Nacht also eher besser werden können.

Nach dem Frühstück mache ich mi auf in die City, sind nur wenige hundert Meter zu Fuß. Gestern war ich zum Radladen und Supermarkt an der City eher vorbeigegangen. Jetzt bin ich entsetzt bis schockiert, welche Folgen vom 2011er-Erdbeben noch übrig sind. Größte Teile der City werden komplett neu aufgebaut. Die Kathedrale ist eine eingezäunte Ruine. Der Cathedral Square strahlt nicht mehr das Zentrum der Belebtheit aus wie 2009, überall Bauzäune, Ruinen, Baustellen drumherum. Straßen werden neu gebaut und sind nur einspurig. Es gibt keine Einkaufsstraße mehr. Einige Geschäfte haben sich in Schiffscontainern wieder eingerichtet. Teile der Container-Seiten sind durch Fensterfronten ersetzt worden. Insofern lädt die City nicht wirklich zum Bummeln ein. Was für mich ein zweitägiges Luxusproblem ist, dürfte hier eine Stadt gewaltig aus der Bahn geworfen haben. Immerhin sind sie seit 6 Jahren am Wiederaufbau beschäftigt.

In ein paar Souvenir-Shops finde ich noch, was ich suche. Unter anderem auch das „Same shirt – different day“-Shirt, was ich mir nach 8 Jahre wieder kaufen muss.

Heute ist mal mit 30 Grad ein richtig heißer Tag, morgen soll es mit 19 Grad kaum über die Tiefsttemperaturen von kommender Nacht hinausgehen.

Die Abwechslung beim Abendessen mit Lamm-Wurst statt Steak stellt sich leider als Enttäuschung heraus. Fettige Matsche, morgen gibt es wieder Steak statt der zweiten Hälfte der Packung.

30.01.2017 – Methven – Christchurch

Heute stand die letzte Radetappe auf dem Programm. 95 km von Methven nach Christchurch. Von etwas über 300 m geht es runter auf knapp über null. Das sollte sich in letztendlich 65 hm widerspiegeln. So flach schafft man es kaum im Münster- oder Ostfriesland. Die Schwierigkeiten sollten woanders herrühren. Zum Frühstück war es zunächst sehr, sehr ruhig. Da nur vier Gäste im Backpackers waren, von denen zwei schon früh wieder auf ihren Wandertrack quer durch NZ zurück waren, die andere länger geschlafen hat als ich und das Besitzerehepaar wie am Vorabend angekündigt, schon gegen 8 Uhr weggefahren ist, saß ich allein beim Frühstück.

Kurz vor 10 war ich soweit und es ging mit – noch – wenig Wind los. Erster Richtungswechsel nach 10 km, von jetzt an ging es mit zunehmendem Wind schräg von hinten langsam runter. Nach 38 km hatte ich einen Schnitt über 22 km/h drauf und die Straßen waren traumhaft leer. As sollte sich alles schlagartig ändern mit dem Linksabbieger auf den SH 1. Der Wind nahm immer weiter zu und kam direkt von vorne. Zudem ist dies eine der meistbefahrenen Straßen des Landes. Aber ich hatte keine Lust auf lange Umwege, um dies zu vermeiden. Nach 55 km gab es eine Kaffeepause, die ich wegen des Verkehrslärms aber drinnen verbracht habe. Irgendwann fingen so Dinge wie Ampeln an, was ich lange nicht mehr gesehen hatte. Hat alles keinen Riesenspaß gemacht, aber irgendwann war ich endlich da. Kiwi- oder besser Gegenwind-Tour 2016/17 unfall- und pannenfrei zu Ende gebracht. Einmal zu Beginn die Luft aufgepumpt, einmal zur Hälfte die Kette geschmiert und insbesondere nach den Schotteretappen alle Schrauben gecheckt und ggf. nachgezogen. Sonst war nichts zu tun.

Nach dem Duschen habe ich mich in Richtung der Fahrradläden aufgemacht, um einen Karton für den Rückflug zu organisieren. Der erste Laden nach wenigen hundert Metern konnte mir direkt helfen. Somit war der Karton einfach in die YHA zu tragen und ich hatte das einzig ernsthafte Todo erledigt.

Jetzt kann ich mich zwei Tage hier rumtreiben …

Abends ein obligatorisches Rumpsteak. Nudeln werde ich mir hier keine mehr machen.

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29.01.2017 – Geraldine – Methven

Die vorletzte Etappe mit dem Rad steht an und es ist morgens schon sehr sonnig und verspricht ein warmer Tag zu werden. Beim Frühstück schlägt die asiatische 8er-Truppe zum Glück erst nach mir in der relativ kleinen Küche auf. Ich habe meinen Platz dadurch schon mal sicher. Die veranstalten zum Frühstück schon eine Kochorgie wie andere es erst abends tun. Entsprechende Düfte eingeschlossen. Man muss sie auch daran erinnern, den Wasserhahn wieder richtig zuzudrehen. Deren Verpeiltheit habe ich noch bei keinem anderem Kulturkreis feststellen können. Die finden auch in Fox Glacier ihren Bus nicht auf der richtigen Straßenseite und stellen dann auf Nachfrage bei „meinem“ Busfahrer fest, dass ihr Bus vor 5 Minuten gegenüber abgefahren ist (zu dem Zeitpunkt war der auch schon vor Ort, wusste aber wohl nicht, wo er überhaupt hin musste). Vermutlich werden die 10 Jahre älter als wir, damit sie das noch kompensieren können.

Windmäßig war ja nicht zu stark, aber dafür wieder von vorne angekündigt. Die ersten 1,5 h war es fast windstill, dann kam er kräftig von der Seite und auch ein längeres Stück fast von hinten. Die letzten 12 km gab es aber nochmals richtig knackig auf die Fresse. Immerhin waren es nur 70 km heute und kein einziger echter Hügel dabei. Nur ganz leicht die Canterbury Plains hoch, also vielleicht mal 100 m auf 10 – 20 km rauf.

Hostel sofort gefunden, war wegen der kurzen Strecke trotz ausgiebiger Kaffeepause in Mayfield erst 14 Uhr. Duschen und einkaufen – statt Rump-Steak gibt es heute zur Abwechslung Porterhouse-Steak. Die Rump sahen ziemlich dünn aus.

Für morgen ist mit dem beinahe ersten Ostwind der Reise wieder Gegenwind angesagt und das auch nicht total schwach. Der Wind ist dieses Jahr wirklich die pure Verarschung. Egal, morgen Nachmittag ist es vollbracht und ich kann noch zwei Tage relaxen. Allerdings muss ich mich noch auf die Suche nach dem Radkarton begeben.

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28.01.2017 – Lake Tekapo – Geraldine

Es beginnt ein fast windstiller Sommertag mit blauem Himmel. Heute geht es aus den Bergen wieder runter. Start auf 700 m und Ziel auf 125 m. Nach einer kleinen Steigung aus dem Ort heraus ist der Burkes Pass zu „erklimmen“. Gigantische 50 hm mit moderater Steigung. Danach geht es bis Fairlie die nächsten 25 km eigentlich nur leicht runter. Hinter Fairlie kommen dann noch ein paar Hügelchen. Entgegen meines Garmin-Tracks bleibe ich auf dem Highway, ist ein paar km kürzer. Allerdings bleibe ich dadurch au noch ein wenig länger in den Hügeln. Den Backpacker in Geraldine habe ich schnell gefunden. Allerdings ist um 14:15 Uhr noch niemand da, so dass ich es mir unterm Sonnenschirm gemütlich mache. Der Wind hat es übrigens auch heute wieder geschafft, von vorne zu kommen, auch wenn er nur sehr leicht war. Der Schnitt lag heute sogar inklusive Pausen bei über 20 km/h. Lag am tendenziellen bergab, am wenigen Wind und daran, dass sich nichts für längere Pausen angeboten hatte. Das Wetter ist heute auch mal wieder richtig sommerlich. Strahlend blauer Himmel und mindestens 25 Grad.

Hier im Hostel kriege ich sogar ein Upgrade auf ein Einzelzimmer. Sehr freundlich. Für das kleine Nest gibt es einen relativ umfangreichen Supermarkt. Mal wieder Rump-Steak.

Für morgen ist – kaum zu glauben – Nordwind angesagt, da ich ja nach Norden fahren werde. Für die letzte Etappe am Montag ist Nordostwind angesagt, da ich ja nach Osten fahren werde. Hauptsache immer auf die Fresse! Irgendwie freue ich mich auch wieder auf die windstille Wetterau.

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27.01.2017 – Lake Tekapo

Ein ruhiger Sommertag zum Ausruhen, wenn man von dem immer noch Lanzarote-ähnlichen Wind mal absieht. Aber die Temperaturen sind wirklich sommerlich und die Sonne scheint auch. Irgendwie kann ja auch nicht jeder Pausentag einfach nur Schlechtwetter sein. Um 9 Uhr stehe ich vergleichsweise spät auf. Unten im FourSquare gibt es leckere frische Baguettes. Das Frühstück wird ausgedehnt, anschließend mit der Kamera wieder an den See runter. Nachmittags wird das nächste Buch zu Ende gelesen.

Ich lese mir auch fast alle meine Blog-Einträge von 2009 durch. Damals hat ein 8 Jahre jüngerer, deutlich fitterer und leichterer mit einem 5 kg leichteren Rad noch etliche Etappen mit deutlich über 100 km abgespult und die gefahrenen Schnitte lagen fast immer über 20 km/h. Allerdings berichtete dieser auch von häufigem Rückenwind, was der Reisende aus diesem Jahr nicht kann. Trotzdem bin ich froh, mit diesem Rad und der Rohloff unterwegs zu sein. Über 2000 km sind es nun schon und bis auf einmal die Kette schmieren und alle Schrauben nach den Schotter-Etappen nachziehen war bislang nichts. Dass ich den einen Kabelschuh des Lichtkabels beim ersten Zusammenbau in der Hand hatte und den zweiten dann aus Vergesslichkeit bei der Demontage des Vorderrads für den Bustransport abgerupft habe, lasse ich mal außen vor. In den ersten Wochen zu Hause kriegt es aber eine Grundpflege. Die Kette dürfte auch gut gelängt sein, die ersten Bremsbeläge sind dagegen immer noch gut und den Reifen merkt man gar keinen Verschleiß an.

Zum Abendessen gab es heute das gestern gekaufte Steak mit Bohnen. Als gewöhnter Induktionskocher muss man sich aber immer wieder auf diese lahmen Kochplatten einstellen, damit Fleisch und Gemüse zeitgleich fertig sind. Blöde Erste-Welt-Probleme immer …

Morgen geht es gen Osten nach Geraldine. Ein Hügel mit mehr als 100 hm kommt bei der Hälfte hinter Fairlie, ansonsten geht es von den 700 m hier fast ganz nach unten mit einzelnen kleinen Wellen. Für morgen ist zumindest eher schwacher Wind angekündigt, allerdings aus Nord bis Nordost, was mal wieder KEINEN Rückenwind bedeutet. Für den Sonntag, an dem es wieder nach Nordosten geht, ist wieder etwas stärkerer Nord bis Nordwest gemeldet. Diese Tour könnte man eher Gegenwind- als Kiwi-Tour nennen. Naja, mehr als drei Tage Gegenwind werden es nun nicht mehr.

In einer Woche bin ich schon wieder gelandet und auf dem Weg mit der S-Bahn nach Hause.

26.01.2017 – Omarama – Lake Tekapo

Die heutige Etappe verspricht – eigentlich – einfach zu werden. 84 km lang, gerade mal 600 hm mit nur einer einzigen richtigem Steigung und der Wind aus West. Zunächst geht es auch ganz gut, aber nach dieser Steigung werden die letzten gut 20 km richtig eklig. Man ist ca. 150 m oberhalb des Lake Pukaki am Kanal, der das Wasser aus dem Lake Tekapo zum Wasserkraftwerk in den Lake Pukaki bringt. Man ist eigentlich schon auf Höhe des Zielortes. Blöderweise findet der Westwind jetzt Nord viel schöner und es gibt den Wind entweder extrem stark von der Seite oder von vorne. Dann kommt noch ein extrem schmaler Durchlass für Fahrräder auf der für Autos gesperrten Straße (ist eigentlich nur für die Kanalwartung vorgesehen und nur mit dem schmalen Durchlass verhindert man auch Motorräder), bei der ich die Packtaschen abnehmen muss. Später kommt noch ein Stück mit üblem losen Schotter und fiesestem Seitenwind. Die letzten 3 km vor dem Kreuzen des Highways sind wieder dieser fiese Schotter und noch so ein schmaler Durchlass. Ab hier verlasse ich den Kanalweg, da es geschottert weitergeht und fahre lieber wieder auf der Straße. Auf der Straße kämpfe ich mit dem schräg von vorne kommenden heftigen Wind und dem Arschlöchern von Autofahrern, denen meine Eierei nur scheißegal ist. Es ist einige Male nonverbale Kommunikation mit dem Mittelfinger angesagt. Über einen weiteren Hügel muss ich auch noch rüber, die letzten 6 km rollt es zum Glück mit Rückenwind runter. War aber gerade im letzten Drittel wieder eine blöde Fahrt.

Backpackers ist schnell gefunden in dem „riesigen“ Ort. Duschen, Wäsche waschen und mit der Kamera ans Seeufer losgezogen, wo es auch Einkaufsmöglichkeiten gibt. Nach einem Snack habe ich später am Abend gar keine Lust mehr zum Kochen, so bleibt das Steak für den nächsten Abend im Kühlschrank. Eine Tüte Chips geht später aber noch rein.

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25.01.2017 – Cromwell – Omarama

Heute früh hat es knackig geweht. Nach dem Losfahren konnte ich zum Glück feststellen, dass es in die richtige Richtung pustet. Die ersten 22 km am See entlang in der ersten Stunde. Danach ging es ganz langsam höher. Statt einer auf meinem Track vorhandenen Schotterstraße zu fahren, bin ich aber auf der richtigen Straße geblieben und hoffte, dadurch einen größeren Hubbel im Höhenprofil zu vermeiden. Letzten Endes wurde er nur durch einen gleichwertigen asphaltierten Hügel ersetzt. Ins Tal des Lindis River geht es halt nur über einen Hügel. Ab 40 km fegte mir der Wind plötzlich brutal ins Gesicht. Ohje, dachte ich mir, das kann ja noch lustig werden, gegen solchen Wind zum Lindis Pass hochzustrampeln. 20 km später kam er erst wieder seitlich, um mich danach sogar den Pass hochzuschieben. Ok, ich musste trotzdem noch ordentlich treten. Vom Pass runter ging es dann schön mit fast 70 Sachen auf den ersten Kilometern. Dann wurde das Gefälle sanfter, aber es blieb zügig. Die Straße drehte jetzt nach Osten und fiel nur noch leicht ab, parallel zu einem Fluss verlaufend. Aber der Rückenwind war genial, so dass ich für die 33 km vom Pass bis nach Omarama inkl. einem Stopp an der Baustellenampel und einem Trink-/Fotostopp nur knapp über eine Stunde brauchte. Hier im Backpacker sind es kleine Einheiten, wir sind zu zweit in einem Dreierzimmer. Der FourSquare hatte noch ein gut aussehendes Rumpsteak und einen Broccoli. Dem Aioli von gestern war es tagsüber wohl zu warm geworden, es hatte sich in seine Bestandteile separiert und wanderte lieber in die Mülltonne. Damit es nicht zu Low-Carb wird, gibt es ja noch Kartoffelchips zum Ausgleich.

Für die verbleibenden vier Etappen sind es laut Gpsies-Tracks noch 345 km und nur noch 1500 hm. Wenn der Wind halbwegs passt, also eher easy-going. Morgen erstmal nach Lake Tekapo, wo ich zwei Nächte bleiben werde.

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24.01.2017 – Kingston – Cromwell

Es war eine schön ruhige Nacht auf dem verschlammten Campingplatz. Gestern Abend kam noch eine Truppe aus zwei deutschem Pärchen an. Die Kerle machten ja noch einen vernünftigen Eindruck, die Mädels haben außer Smartphone-Glotzen und Türen offen stehen lassen nichts gemacht. Heute morgen düsten sie aber schon los, als ich gerade aufstand. Der letzte Kommentar von ihm ging auch in die Richtung „einsteigen, aber alles liegengelassen“. Schönen Urlaub noch!

Nach meinem Frühstück ging es zunächst 40 km den gestrigen Weg zurück. Andere Richtung, andere Ausblicke, von daher jetzt nicht soooo schlimm. Dann beim New World in Frankton wieder eingekauft, da ich nicht wusste, was Cromwell an Shopping-Möglichkeiten bietet. Hinter Frankton geht es noch ein paar Hügel hoch, bevor es mit dem Kawarau River immer weiter runter geht. Ab Frankton konnte ich auch den Westwind von hinten genießen. Nur die letzten 5 km gab es nochmals Gegenwind. Nach 95 km in 5:15 h (inkl. aller Pausen) war ich angekommen. Das war heute mal richtig flott. Das in etwa erste, was ich in Cromwell sehe, ist ein New World. Hätte den Einkauf also auf auf die notwendigen Getränke beschränken können.

Der Backpacker ist mal ganz anders als alle anderen zuvor. Schuhe an der Tür ausziehen, Dusche nach Benutzung mit dem Abzieher trocknen. Eigentlich nur „benimm dich wie zu Hause“, womit genügend von den Kiddies sicher große Probleme hätten. Aber irgendwie familiär.

Zum Abendessen gab es wieder mal ein leckeres und ziemlich großes Rumpsteak. Auf Carbo-Loading und Pasta essen habe ich eigentlich keine Lust mehr, auch wenn es morgen mit 110 km nochmal zur Sache geht. Die ersten 65 km geht es 300 m hoch, dann weitere 500 m hoch auf den nächsten 10-12 km, das allerletzte Stück vorm Lindis-Pass wie üblich ziemlich knackig. Danach gute 30 km erst Schuss und anschließend gemächlich runter, um 600 hm wieder zu vernichten. Noch ist Westwind angesagt, was schräg von hinten bedeuten würde. Wäre nett (und absolut verdient).

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23.01.2017 – Queenstown – Kingston

Die Sonne lacht zum Aufstehen! Heute steht nur eine kurze Etappe nach Kingston am Südende des Lake Wakatipu an. Nach Osten aus Queenstown raus und dann in Frankton nach Süden auf den SH 6. In Frankton wird noch kurz die Verpflegung aufgefüllt, da es in Kingston nur einen (wahrscheinlich sauteuren) Cafe/Store gibt. Nach der Hälfte lege ich eine kurze Pause ein und mir kommt ein Paar aus Holland entgegengeradelt. Da standen dann dreimal Rohloff, SON Nabendynamo + Edelux auf einem Fleck. Ortlieb-Taschen natürlich ebenfalls in rauen Mengen. Sie fuhren schöne Idworx-Räder. Die beiden kamen gerade aus Kingston und berichteten, der Platz sei gestern sowas von abgesoffen, weil ein über das Gelände verlaufender Bach über die Ufer getreten sei. Sie hätten mit ihren eigenen Matratzen noch in einen Lagerraum umziehen können. Auf dem Weg dahin seien auf der Straße auch noch Aufräumarbeiten wegen übergetretener Bäche im Gange. Sie hatten vor einigen Tagen auch die von mir für gestern geplante Schotterstraße begonnen, aber die Furten waren schon arg tief, so dass sie abgebrochen hatten. Wieder ein Punkt für die Richtigkeit meiner gestrigen Entscheidung.

Nach 50 km war ich schon am Ziel, die Straße führte immer wieder in Wellen am Seeufer auf und ab. So kamen doch 500 hm zustande. Die Dame am Holiday Park berichtete auch gleich von den Überflutungen und wenn ich mit den Beeinträchtigungen nicht leben wolle, könne ich auch stornieren. Aber zum einen bin ich da nicht so pingelig und zum anderen – wohin sollte ich bloß? Die Cabin ist knuddelig und in Ordnung. Auf die Dusche musste ich etwas warten, da eine andere Mitarbeiterin noch mit Aufräumen beschäftigt war. Es war in der Tat eine knackige Schlammflut über den Platz geflossen und die hier aufgebauten Jurten mit Doppelbett drin waren klassisch abgesoffen. Es hat einfach die ganze letzte Woche zuviel geregnet. Die ganze Zeit sind sie jetzt dabei, den Bach mit dem großen Bagger auszubaggern und zu verbreitern. Die haben damit echt einen Haufen Scheiß an Land gezogen.

Die Nevis Road ist damit für morgen endgültig vom Tisch. Die soll eh etliche Furten haben und 20mal am Tag Schuhe und Socken aus-/anziehen, ggf. Gepäck abnehmen und alles in drei Gängen einzeln durchtragen? Am Ende steht man noch vor dem Umkehren, weil es wirklich nicht mehr durchgeht. Schade drum, hat nicht sein sollen. Entsprechend gibt es morgen die ersten 40 km die heutige Strecke rückwärts, wieder den Lebensmitteleinkauf in Frankton und dann weiter nach Cromwell.

Das Wetter ist heute auch wieder kurzhosig. Hoffe, dass es auch morgen so bleibt und mir auch der Wind genehm ist. Jetzt ist der südlichste Punkt der Reise erreicht und es geht jetzt grundsätzlich nur noch nach Nordosten in Richtung Christchurch.

Für den Rückflug-Radkarton habe ich heute eine Absage vom ersten Shop erhalten und gleich den nächsten angemailt. Sollte sicher zu kriegen sein, aber vorherige Gewissheit macht es doch entspannter.

Außer ein paar Nudeln und etwas lesen wird sich heute wohl nicht mehr viel ergeben.

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22.01.2017 – Queenstown

Als ich um 8 Uhr aufstehe, regnet es immer noch. Beim Frühstück sehe ich im Wetterbericht, dass hier in Queenstown aktuell nur 6,4 Grad sind. Der Regen soll zwar nachlassen bis aufhören, aber es kommt keine Vorfreude auf die Bootsfahrt zur Mt Nicholas Station und die anschließende Fahrt über 73 km Schotterpiste plus 15 km normale Straße auf. Könnte eine matschige Sache werden, zudem ist mal wieder knackiger Gegenwind angesagt. Also spiel ich mit dem Gedanken, es einfach sein zu lassen. Online schnell die Bettenlage in dieser YHA überprüft und es sind noch Betten verfügbar. Schnell zu Rezeption marschiert und um eine Nacht verlängert. Ist allerdings mit Zimmerwechsel verbunden, deshalb muss ich um 10 Uhr zunächst auschecken und kann erst um 14:30 Uhr wieder einchecken. Dem gebuchten Hotel in Mossburn schreibe ich eine E-Mail, dass ich wegen der Wetterlage meine Pläne ändern musste und nicht kommen kann. Wenn ich die Übernachtung trotzdem voll oder teilweise zahlen müsste, sollen sie Bescheid geben, dass ich ihnen meine Kreditkartendaten schicke. Ball liegt bei ihnen und schlimmstenfalls habe ich 95 $ für die Fähre und das Zimmer versemmelt. Hätte sich aber nicht gelohnt, eine blöde Tour zu machen, nur weil es schon bezahlt ist. Zur Bootsfahrt gehe ich einfach nicht hin. Dafür, dass da locker 20 Emails mit zwei Anbietern geschrieben wurdem, bleibt am Ende nur, dass ich meine 35 $ bezahlt habe (Ergänzung: gab mittlerweile eine E-Mail-Antwort, dass die Hotel-Stornierung sogar kostenlos war – sehr nett!).

Als der Regen aufhört, kann man auch die Berge teilweise wieder sehen. Die Schneefallgrenze ist erneut gesunken. An Hand der Höhenangaben in der Karte für die gegenüberliegenden Berge schätze ich, dass bis auf 1500 m runter satt Neuschnee liegt. Gestern war da noch nichts dergleichen.

Morgen werde ich nach Kingston am Südende des Sees fahren, wo das Zimmer eh schon bezahlt ist. Eine 50 km kurze Tour, die nur ein paar Miniwellen aufweist. Von dort muss ich am Dienstag entscheiden, ob ich die leicht wellige und verkehrsreiche Hauptstraße (zunächst gut 40 km wieder zurück) oder die nahezu verkehrsfreie und geschotterte Nevis Road nehme, die aber zwei richtig fette Berge drin hat. Beide Strecken sind 95 km lang. Ich tendiere bei dem wenig hochsommerlichen Wetter eher zur einfacheren Straßen-Variante. Die führt auch an „meiner“ Bunji-Brücke vorbei, von der ich mal runtergehüpft bin, könnte man mal ein bisschen zugucken.

Grundsätzlich führt mich der Weg von Kingston an ziemlich kontinuierlich in nordöstlicher Richtung nach Christchurch. Für Südwestwind wäre ich also sehr dankbar!

Heute Abend gab es mal Nudeln mit Carbonara-Sauce. Wollte mir eigentlich wieder ein fettes Steak in die Pfanne hauen, aber der FourSquare als kleiner und leider einziger Supermarkt im innerörtlichen Bereich hatte nur blödes Zeug oder (Groß-)Familienpackungen. Die großen, günstigeren Supermärkte befinden sich alle eher draußen in Richtung Frankton/Flugplatz. Da komme ich übermorgen auf halbem Etappenweg vorbei und werde ggf. dann schon was einkaufen.

Es ist irgendwie den ganzen Tag nicht aufgerissen sondern tröpfelt mit Pausen so vor sich hin. Schade um die geplante Etappe, aber das war die richtige Entscheidung.

Wenn ich gleich ins Bett gehe, dann mit der Hoffnung, dass die paar deutschen Kiddies, die hier in der Lounge in meinem Rücken sitzen und mit den ersten paar Bieren schon der Kopfrechenfähigkeiten verlustig wurden (wie viel mal 0,33 Liter …?), nicht im gleichen Zimmer wie ich untergebracht sind.